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Autor Thema: U 704 - 09.11.1942 - angeblicher Torpedotreffer auf RMS »Queen Elizabeth«  (Gelesen 754 mal)

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Offline Götz von Berlichingen

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Am 09.11.1942 soll U 704 (Kptlt. Horst Wilhelm Kessler) berichtet haben, er habe auf dem Schnelldampfer Queen Elizabeth einen Torpedotreffer (aus einem Viererfächer) erzielt. Die QE habe Fahrt verloren und sei ausgelaufen, habe aber gleich darauf wieder Fahrt aufgenommen und sei entkommen. Daraufhin habe das OKM offiziell gemeldet, die Queen Elizabeth sei von einem deutschen U-Boot beschädigt worden.

Bei Melvin Maddocks »Die großen Passagierschiffe«, Time-Life-Books, ³1982, S. 152 f. heißt es dazu:

»Am 9. November 1942 meldete U 704, das rund 200 Meilen vor der Westküste Irlands kreuzte, es habe eine aus vier Torpedos bestehende Salve auf die »Queen Elizabeth« abgegeben, als diese mit einer Ladung Frauen und Kinder an Bord, die von den britischen Inseln evakuiert wurden, zu den Vereinigten Staaten unterwegs war. Nachdem die Deutschen zwei MInuten und vier Sekunden schweigend gewartet hatten, verspürten sie unter Wasser die Erschütterung einer Explosion. Durch das ausgefahrene Sehrohr sah der Kommandant die Queen Elizabeth langsam zum Halten kommen, doch dann wieder Fahrt aufnehmen [...] Das Oberkommando der deutschen Marine gab bekannt, die Queen Elizabeth sei beschädigt worden. Aber die britische Admiralität ignorierte die deutsche Behauptung, und so gibt es keinen Beweis dafür, daß die Elizabeth getroffen worden war. Aller Wahrscheinlichkeit nach explodierte ein Torpedo vorzeitig, denn es sprach sich schließlich herum, daß die Besatzungsmitglieder an Bord der Queen Elizabeth eine ungeheure Explosion Backbord achteraus etwa um die gleiche Zeit wahrnahmen, als U 704 die Torpedos abfeuerte.«

Hat vielleicht jemand das KTB von U 704 für den fraglichen Tag?

U-boat-net und die englishe Wikipedia sind für die gestellte Frage unergiebig.

Wie sieht es eigentlich mit englischen KTBs aus? Gibt es für die Queen Elizabet für den 09.11.1942 ein Logbuch? Ich habe mal irgendwo gelesen (leider kann ich nicht mehr angeben, wo das war, es ging, wenn mich meine Erinnerung nicht im Stich läßt, um irgendeinen brit. Zerstörer, möglicherweise um den vermuteten letzten tödlichen Angriff auf U 47), daß die britischen KTBs von der Admiralität nach Kriegsende »vernichtet« worden sein sollen. Das käme mir sehr merkwürdig vor. Die dt. KTBs sind trotz widrigster Umstände (Flächenbombardements, Verschleppung durch die Sieger nach Kriegsende) zu einem Gutteil nach einem Dreivierteljahrhundert erhalten und öffentlich zugänglich und die britischen Gegenstücke sollen von der Admiralität »vernichtet« worden sein? Weiß jemand, ob das zutrifft?

Wäre ja auch für die Klärung anderer Fragen von Interesse (evtl. ernste Beschädigung von Jamaica durch Lützow und Admiral Hipper am 31.12.1942 (Jochen Brennecke weist in seinem Hipper-Buch »Eismeer - Atlantik - Ostsee« darauf hin, daß Jamaica nach dem Gefecht am Silvestertag 1942 erst wieder ein Jahr später bei dem verhängnisvollen Scharnhorst-Einsatz am 26.12.1943 in Erscheinung trete (ein Versuch der Überprüfung bei Whitley »Kreuzer im Zweiten Weltkrieg« bestätigte, daß für Jamaica dort für das ganze Jahr 1943 keine Einsätze verzeichnet sind), evtl. Treffer auf Duke of York durch Scharnhorst am 26.12.1943 (in dem Bericht des Überlebenden Obermaates Gödde heißt es, daß britische Matrosen mit Schweißbrennern in Murmansk Gefechtsschäden beseitigten, glaube mich sogar zu erinnern, daß einer der Überlebenden angab, ein britisches Besatzungsmitglied habe ihm von einem Treffer auf Duke of York berichtet), den Treffern von Admiral Hipper auf Berwick an Weihnachten 1940 bei dem Angriff auf den von ihr gesicherten Geleitzug im Atlantik (auch Berwick lag danach ein halbes Jahr in der Werft).
»Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.«  Arthur Schopenhauer

Offline kgvm

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http://historisches-marinearchiv.de/projekte/duikboot/eingabe.php?active_duik=result
Danach war der Angriff im Quadrat AK 65, das ist allerdings wesentlich weiter als 200 sm von Irland entfernt - wegen der Luftgefahr wäre eine Operation so dich an Irland auch unwahrscheinlich!

Offline Andreas A

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Hallo !

Bei Ritschel steht folgendes :

09.11.1942 AK 6553 12:35 2 hohe, massige Schornsteine gesichtet. Alarmtauchen. 12.37 Uhr 4er-Fächer auf den Passagierdampfer los. Deto gehört.

Ausage Kommandant : Wir hörten den Wehrmachtsbericht. Ein U-Boot torpedierte im Nordatlantik ein Schlachtschiff der Elisabeth-Klasse. Jetzt ist es schon ein Schlachtschiff. Mache sofort ein M-Offz. fertig. Ausgang: Vier dienstunfähige Kranke, 26 cbm. Offz-Quatsch: Nicht Schlachtschiff, sondern Schnelldampfer "Queen Elizabeth" - Keßler-.

Mehr gibt diese Quelle auch nicht her.

Andreas

Offline Götz von Berlichingen

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@ Andreas & Klaus-Günther:

Das ist ja schon mal was, vielleicht findet sich ja sogar noch der KTB-Auszug bei unseren Spezialisten.

Vielen Dank schon mal!  :TU:)
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Offline Manfred Heinken

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Moin zusammen,
bei Time Life ist aber auch zu lesen, ich zitiere:  Aller Wahrscheinlichkeit nach explodierte ein Torpedo vorzeitig, denn es sprach sich schließlich herum, das die Besatzungsmitglieder an Bord der "Queen Elizabeth" eine ungeheure Explosion backbord achterraus, etwa um die gleiche
Zeit wahrnahmen, als U 704 die Torpedos abfeuerte. Zitat Ende

Manfred Heinken

Offline Götz von Berlichingen

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bei Time Life ist aber auch zu lesen, ich zitiere...

Ja, steht doch so in meinem Eröffnungsbeitrag oben.  :?
»Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.«  Arthur Schopenhauer

Offline Manfred Heinken

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Moin,
das habe ich glattweg überlesen.
Bitte um Nachsicht.

Manfred Heinken

Offline Urs Heßling

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moin,

... evtl. ernste Beschädigung von Jamaica durch Lützow und Admiral Hipper am 31.12.1942. Jochen Brennecke weist in seinem Hipper-Buch »Eismeer - Atlantik - Ostsee« darauf hin, daß Jamaica nach dem Gefecht am Silvestertag 1942 erst wieder ein Jahr später bei dem verhängnisvollen Scharnhorst-Einsatz am 26.12.1943 in Erscheinung trete (ein Versuch der Überprüfung bei Whitley »Kreuzer im Zweiten Weltkrieg« bestätigte, daß für Jamaica dort für das ganze Jahr 1943 keine Einsätze verzeichnet sind),
Hier steht das etwas anders und differenzierter :
http://www.naval-history.net/xGM-Chrono-06CL-Jamaica.htm

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline Götz von Berlichingen

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@ Urs:

Danke für den Link!  :TU:)

Gruß Thomas
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Offline t-geronimo

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Hier der gewünschte KTB-Auszug, leider in gruseliger Qualität. Für die gesuchten Infos reicht es aber, zumal es nicht viel mehr hergibt als von meinen Vorschreibern bereits geschildert. Lediglich vielleicht, das Keßler sich nach seinen Beobachtungen und Buch-Abgleich sofort sicher war, QE vor sich zu haben.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Offline Götz von Berlichingen

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Vielen Dank, Thorsten, auf Dein Archiv ist Verlaß!  :TU:)  :wink:
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Offline Götz von Berlichingen

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@ TW:

Auch Dir vielen Dank.

Aus den Markierungen des Auswerters (Tiefgang 12 m & Tiefeneinstellung der Torpedos 4 m eingekreist und mit vermutl. rotem Stift verbunden und Ausrufezeichen daneben gesetzt) kann man wohl vermuten, daß dieser mit der Tiefeneinstellung durch den Kmdt. nicht einverstanden war?

Was ist das denn für eine Arbeitsgemeinschaft Cornelius, an die diese Torpedoschußmeldungen abgegeben werden mußten? Gehörten die zur TVA, um evtl. Unregelmäßigkeiten bei den Torpedos festzustellen?
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Genau so habe ich die Aufgabe der AG Cornelius immer verstanden.

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@ TW:
Was ist das denn für eine Arbeitsgemeinschaft Cornelius, an die diese Torpedoschußmeldungen abgegeben werden mußten? Gehörten die zur TVA, um evtl. Unregelmäßigkeiten bei den Torpedos festzustellen?

Ich habe noch einmal bei Oliver Krauss nachgelesen:
die AG Cornelius war kein Teil der TVA, sondern eine eigenständige Expertengruppe neben der TVA, die auch nicht dem OKM unterstand, sondern als "unabhängige" Instanz im Dezember 1939 hinzugezogen wurde, und die auch an der Torpedo(weiter)entwicklung arbeitete. Das Hinzuziehen hat mit der sich schon vor "Weserübung" anbahnenden Torpedokrise zu tun und den Zweifeln an der Kompetenz der TVA

Die Diss von Krauss hat den Titel: "Rüstung und Rüstungserprobung in der deutschen Marinegeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Torpedoversuchsanstalt (TVA)"

Viele Grüße
Thomas