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Autor Thema: S.M.S. Leipzig (1875)  (Gelesen 1343 mal)

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Offline Der-Mainzer

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S.M.S. Leipzig (1875)
« am: 22 August 2017, 08:47:24 »
Sehr geehrte Userinnen und User,
auf der Suche nach Informationen zu S.M.S. Leipzig (1875) bin ich auf Ihr Forum gestoßen.
In meiner Heimatgemeinde bin ich vergangenes Jahr auf ein Brieffragment eines Marinesoldaten gestoßen, der in der Zeit zwischen 1887-1891 seinen Dienst auf See tat. Der fragmentarische Erhaltungszustand läßt zwar viele Fragen, auch zum Datum, offen, aber aus den Informationen geht hervor, daß die Leipzig vor Sansibar lag und die Besatzung den Buschiri-Aufstand erlebte. An einem 13. August habe man Sansibar verlassen. Der Brief dürfte daher wohl auf den August oder September des Jahres 1889 zu datieren sein.
Neben den Informationen auf Wikipedia und weiteren Websiten wäre ich für weitere Informationen äußerst dankbar. Auch über Informationen zu einigen Fotografien des Schiffes, der Besatzung, angelaufenen Stationen und auch zur Kaiserreise von Wilhelm II. im Mittelmeer, in das die Leipzig nach dem Araberaufstand anlief, um Bericht zu erstatten, wäre ich sehr dankbar.
Bei Interesse kann ich den fragmentarischen Brieftext gerne einstellen.
« Letzte Änderung: 22 August 2017, 16:49:37 von Der-Mainzer »

Offline halina

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #1 am: 22 August 2017, 13:46:34 »
Moin Mainzer ,

Herzlich willkommen hier im Forum , dieses Brieffragment kannst Du gerne hier unter diesem Thema
einstellen , dazu ein Foto von der von 1885-87 zur Kreuzerfregatte umgebauten SMS "Leipzig" .

                                                                                                                    Gruss  halina
" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

Offline Der-Mainzer

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #2 am: 22 August 2017, 15:13:54 »
Herzlichen Dank für die Informationen.
Bei dem Autoren des Briefs handelt es sich um Adam Schmahl I., geboren am 19. Januar 1868 in Essenheim bei Mainz, gestorben 1942 in Giessen. Er verrichtete in den Jahren zwischen 1887 - 1891 seinen Dienst auf See und erhielt von seiner Generation den Rufnamen "Marine", den er zeitlebens tragen sollte. Der Empfänger des Briefs dürfte vermutlich der damalige Gemeindepfarrer gewesen sein.

Sein Cousin bescheibt ihn in seiner Familienchronik:
Nur einer unserer Jugendgenossen hatte das Glück, bei der Marine dienen zu dürfen: Adam Schmahl, ein Vetter von uns, der dafür sein ganzes Leben lang den Namen „Marine“ anhängen hatte. Er diente von Januar 1887 ab vier Jahre, machte auf dem Kreuzer „Leipzig“ (dem ersten seines Namens) die Kämpfe bei Sansibar unter Wissmann gegen die aufständigen Araber unter Buschiri, kam bis Kapstadt, dann nach Konstantinopel (bei einem Besuch Wilhelms des Zweiten) und von dort bis nach Ostasien, hat also wirklich doch einen großen Teil unserer schönen Erde sehen dürfen. Er gab später seinen bäuerlichen Beruf auf und verließ nach dem Tode seiner Frau die Heimat. Er starb 1942 als 74jähriger in Gießen.

Bis auf einige wenige unleserliche Worte lautet der Brieftext, der wohl im September 1889 geschrieben worden sein dürfte:

(erster Abschnitt)
Bald waren sie aus Sicht und bei ziemlich ungünstigem Wetter volldampf vorwärts und liefen am Nachmittag des 16 in den Hafen von Mozambique, einer kleinen aber schön auf einer Landzunge, durch drei Forts geschützte portugiesische Stadt ein. Hier war es uns leider nicht vergönnt, an Land zu kommen, denn wir nahmen am andern Morgen Kohlen und Mittags ging es wieder weg. Es lagen hier drei portugiesische Kriegsschiffe, Reilla del Portugal / Königin v. Portug. Armada & Arsenal. Nachmittags um 5 Uhr lichteten wir Anker und verließen Mozambique. Nun hatten wir sehr wechselvolles Wetter und eine ebensolche See. Zuerst Strom und Brise gegen an dann einen Tag achterlichen Wind, wobei wir auch alle Segel setzen konnten aber am nachmittag des 21 lauteten die Paragraphen anders, ebenso wie anno 70, Klar zum (…) (unleserlich durch Tintenfleck) denn das Barometer fing rapid an zu fallen und alle schlimmen Anzeichen für sehr stürmisches Wetter mehrten sich, wir bereiteten uns aufs beste vor, nahmen Unterraaen an Deck und strichen die Stangen. Bis gegen Mitternacht hatten wir noch einen kräftigen Theil von Sturm und Regen erhalten und legte sich dann vollständig. Wenn wir so richtig hereinkommen, der hätte übel mit uns gespielt. Wie schwerlich die Stürme des Oceans hausen, davon hat der Binnenländer keine Ahnung. Was ihr zu Hause Sturm nennt ist bei uns eben gute Brise, bei welcher man lustig segeln kann. Hier wird nicht die Macht gebrochen durch Berge, Wälder u.s.w. sondern fegt nur so glatt weg. Aber die Wirbelstürme wie sie gerade hauptsächlich im indischen Ocean in der chinesischen See und in Westindien hausen, die kennt man schon lange unter der Firma Cyklon oder Taifun und sind die Schrecken der Meere. Ich wünschte nur, daß Sie so urplötzlich mal an Bord kämen bei nur etwas bewegter See nur 10 Minuten, entweder wie leblos oder stöhnend, ach hätte ich nur wieder Land unter den Füßen, denn seekrank würden Sie auf der Stelle.
Nach den Briefen von zu Hause ist ja Essenheim ordentlich berühmt geworden durch alles mögliche, es wird wohl auch großstädtisch. Selbstmord, Unglücksfälle und dergleichen mehr.

(zweiter Abschnitt)
immerhin noch im Vortheil. Auch kostet meine Dienstzeit nicht so viel Nachdruck aus Geldbeutel und Fleisch und Wurstkammer wöchentlich und Urlaub so oft gebacken wird, wobei auch wieder vor dem wehmüthigen Abschied von den Alten oder gar auch vom Liebchen alle Taschen und der Tornister vollgestopft wird. Hier in der Marine ist das ganz anders, besonders im Ausland, da bin ich selbst meine eigene Flick- und Waschfrau und überhaupt alles, wovon man sich in der Garnison Ersatz schaffen kann, aber bis jetzt habe ich nur drei Monate Kasernenleben hinter mir, dagegen aber 6 Monate in deutschen Häfen und Meeren und 24 in fernen Meeren und Ländern, Europa über die Hälfte und Afrika über dreiviertel seines ganzen Umfangs umsegelt und dabei die schönsten Punkte und Städte besucht. Wo wir jetzt noch hingehen, weiß ich noch nicht, am liebsten herüber nach Australien, nur nicht mehr nach Zanzibar. Im Juni werden wir abgelöst und gehen dann mit einem Lloyd Dampfer zu Hause, aber wo? Das ist noch unbestimmt. Ich bin nur mal begierig, wie sich die Sache in (dem?) Ostafrika gestaltet. Ich bin zwar nicht sehr begeistert dafür, aber doch durchaus nicht so der Meinung, wie sie von einem Theil deutscher Zeitungen ausgebreitet wird. Es gehört vor allem Ruhe und Geld und Geduld dazu. Doch nun will ich auch noch über unsere Reise hierher berichten. Wie schon erwähnt verließen wir am 13 August Zanzibar begleitet von den stürmischen Hurrahs S.M.S. Carola & Pfeil. Den englischen Kriegsschiffen „Agamemnon“ „Algerine & Mariner sowie dem Amerikaner „Iwatura“ (?)  den königl. italienischen Korvetten „Staffetta“ & Ras(c)ido (?), welche dreimal aus den Wanten ihr donnerndes „Evivva“ als letzten Abschiedsgruß zu uns herüberriefen und zu guterletzt auch die französische Korvette (Bonv(i/e)t) (?) ihr le vive wobei alle auch das Signal: „Glückliche Reise“ und unsere Kriegsflagge im Großtopp hißten und ihre Gaffelflagge zum Gruße senkten.

(Anmerkung): Die Namen der fremdländischen Schiffe sind schwer lesbar; es bestehen Unsicherheiten bei der korrekten Lesart.
« Letzte Änderung: 22 August 2017, 15:25:11 von Der-Mainzer »

Offline Manfred Heinken

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #3 am: 22 August 2017, 16:07:35 »
Moin,
der Brief ließt sich doch einfach prima.
Gibt es da noch eine Fortsetzung?

Beste Grüße
Manfred Heinken

Offline Der-Mainzer

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #4 am: 22 August 2017, 16:45:18 »
Leider war von diesem Briefbogen im Querformat nur die aufgeschlagene "rechte" Seite im Archiv auffindbar. Ob die andere Hälfte in den weiteren vorhandenen Archivalien noch existiert, ist leider nicht zu beantworten. Daß es einst eine linke Seite gab, geht aus wenigen Buchstabenfragmenten hervor. Eine weitere Suche im Spätjahr steht auf dem Programm.

Offline t-geronimo

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #5 am: 22 August 2017, 19:25:19 »
Diese Webseite kennst Du schon?
 --/>/> https://www.deutsche-schutzgebiete.de/sms_leipzig_1.htm

Wie exakt sie ist, weiß ich aber nicht.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Offline habichtnorbert

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #6 am: 22 August 2017, 21:01:49 »
Diese Webseite kennst Du schon?
 --/>/> https://www.deutsche-schutzgebiete.de/sms_leipzig_1.htm

Wie exakt sie ist, weiß ich aber nicht.

Hallo Thorsten,
soweit ich weiß, wurde die Seite nach 2009/2010 nicht mehr bearbeitet,
Gruß Norbert

Wo die Flotte hinfährt, sind die Minensucher schon gewesen

Das Historische Marinearchiv: www.historisches-marinearchiv.de

Offline Albin

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #7 am: 23 August 2017, 22:10:28 »
[...]auf der Suche nach Informationen zu S.M.S. Leipzig (1875) bin ich auf Ihr Forum gestoßen.

Dazu empfehle ich von Hildebrand/Röhr/Steinmetz - Die Deutschen Kriegsschiffe Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart - Band 4
Hier wird die Biographie der Kreuzerfregatte Leipzig sehr gut dargestellt, inclusive spezial Infos zum Einsatz während des Ostafrikanischen Aufstand 1889/90 und zum Einsatz in Chile 1891.

Offline Matthias Strauß

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #8 am: 26 August 2017, 17:42:18 »
Hallo Mainzer,

eine weitere, besondere Literaturquelle zu diesem Thema sind die Berichte des Korv. Kapitän Hirschberg, die im Selbstverlag seiner Witwe in zwei Auflagen und einem Reprint erschienen sind. Titel: "Ein deutscher Seeoffizier - III.Abteilung - Neunzehn Monate Kommandant S.M. Kreuzer "Schwalbe". Ich habe die II.Auflage aus dem Jahre 1898. Der Zeitraum der Handlungen erfasst November 1888 bis August 1990 und schildert sehr anschaulich die Tätigkeiten des dt. Geschwaders unter Führung des Konteradmiral Deinhard (auf dem Führerschiff S.M.S. "Leipzig") vor der ostafrikanischen Küste. Die Berichte des Kommandanten der "Leipzig", Kapitän zur See Plüggemann, aus dieser Zeit, sind im BArch MA Freiburg vorhanden. Der vorliegende Bericht/Brief/Fragment von Adam Schmahl betrifft das Jahr 1889.

Gruß Jack

Offline Der-Mainzer

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #9 am: 26 August 2017, 19:11:46 »
Ganz herzlichen Dank für die bisherigen Literaturhinweise, die natürlich sehr viele weitere hochwillkommene Informationen liefern werden. Sicherlich wird es dadurch möglich, mit dieser Literatur eine recht genaue Vorstellung über den Verlauf der vier Dienstjahre eines Marinesoldaten auf der Leipzig gewinnen zu können.
Eine große Hilfe für mich wäre es, wenn jemandem die korrekten Namen der leider nur schwer leserlichen Schiffe:
Iwatura (?) (USA)
Ras(c)ido (?) (Italien)
Bonv (i / e) t (Frankreich)
bekannt wären. Unter der gegenwärtigen Schreibweise konnte ich bisher nichts finden.
Besten Dank!

Offline Urs Heßling

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #10 am: 28 August 2017, 00:18:01 »
moin,

.. sowie dem Amerikaner „Iwatura“ (?) 
Am nächsten käme der Schreibweise vielleicht die https://en.wikipedia.org/wiki/USS_Swatara_(1865)

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline Matthias Strauß

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #11 am: 28 August 2017, 08:45:19 »
Das französische Kriegsschiff könnte der Aviso "Bouvet"(auch als Stationskanonenboot bezeichnet) sein. Der von mir schon genannte KK Hirschberg hatte 1889 einen freundschaftlichen Verkehr mit Kapitän Nicholas von dem "Bouvet" vor Sansibar beschrieben, wo auch S.M.S. "Leipzig" anwesend war. Es ist übrigens das selbe Schiff, dass am 9.11.1870 vor dem Hafen von Havanna ein Seegefecht mit dem deutschen Dampfkanonenboot "Meteor" austrug. Die anderen beiden Schiffe der Anfrage scheinen mir ins Mittelmeer verortet, wo S.M.S. "Leipzig" von Ostafrika in die Levante ablief, um sich beim dt. Kaiser zu melden. Die zwei italienischen Kriegsschiffe vor Sansibar in dieser Zeit sind namentlich bekannt (u.a. "Stafetta" Kmdt. FK Porcelli). Eine "Rascido" oder so ähnlich war in dieser Zeit nicht vor der ostafrikanischen Küste, ebensowenig gar ein U.S.-Kriegsschiff. Möglicherweise waren diese Schiffe auch zivile Fahrzeuge?

Jack

Offline Urs Heßling

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Offline Der-Mainzer

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #13 am: 28 August 2017, 12:21:42 »
SIE SIND ES SIE SIND ES SIE SIND ES!
Es handelt sich im Text tatsächlich um Swatara, Bouvet und Rapido.
Offensichtlich kommt es bisweilen vor, daß sich beim Lesen fremder Namen und bei altdeutscher Schreibschrift leider doch manchmal gewisse Denkblockaden einstellen können. Das muß nicht unbedingt so geplant sein, kann sich aber wohl doch ergeben.

Ganz herzlichen Dank für die Informationen! Bis auf ein Wort ist der Brief nun entschlüsselt!

Offline Matthias Strauß

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Re: S.M.S. Leipzig (1875)
« Antwort #14 am: 28 August 2017, 15:21:13 »
Urs: Danke für den Hinweis zur Swatara. Wieder etwas gelernt. Offensichtlich ist der Ami bei seiner Reise nach Japan um das Kap an der Ostküste Afrikas zur Versorgung in Sansibar vorbeigefahren.

Der-Mainzer: Ein paar Angaben zu den genannten Schiffen - U.S.-Schraubenschiff III.Klasse "Swatara" mit 1840 t
                                                                                                Franz. Schrauben-Aviso II.Klasse "Bouvet" 780 t, 175 PS
                                                                                                Ital. Schrauben-Aviso "Rapido" 1450 t, 320 PS

Gruß Jack