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Autor Thema: Altmark-Zwischenfall  (Gelesen 6409 mal)

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Offline Mark Alt

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #45 am: 14 August 2017, 23:53:35 »
Einsätze der HMS Glasgow

Anfang Februar waren 1940 mehrere britische Einheiten auf der Suche nach der Altmark. Am nördlichsten soll der leichte Kreuzer HMS Glasgow (C21) nach ihr gesucht haben vor Tromsø. Dieser Kreuzer wurde zum Abfangen des Passagierschiffes Bremen früher im Dezember 1939 eingesetzt, auch die City of Flint wollte sie schnappen am 2. November (Haar 219, 509; 339). Am 12. Februar 1940, am selben Tag, als die Altmark südlich Island stand und ihre Fahrt nach Osten fortsetzte, fang sie das deutsche Fischdampfer Herrlichkeit ab.

Ein Vierteljahrhundert früher hatte die Royal Navy eine gleichnamige Einheit: HMS Glasgow (1909), die ebenso ein leichter Kreuzer war. Sie gehörte zum Geschwader Christopher Craddock’s und war das einzige überlebende gepanzerte Schiff der Coronelschlacht (nebst den Hilfskreuzer Otranto). In der Falklandschlacht vernichtete Admiral Sturdee das Geschwader Spee’s – mit der Ausnahme des kleinen Kreuzers Dresden. Die Dresden harrte monatelang in der Südsee aus, sich meist in chilenischen Gewässer versteckend. Britische, australische und japanische Seestreitkräfte waren auf der Suche nach ihr. Bloß mit ihrer Anwesenheit soll sie den Schiffsverkehr der Entente in diesen Gewässern gestört haben, womit sie dem Ansehen der britischen Flotte schadete. In der Admiralität beschwerte man schon kurz nach der Schlacht bei Sturdee, weil er das Geschwader Spee’s nicht vollständig aufreiben konnte.

Die Glasgow war das Flaggschiff des Geschwaders, die nach der Dresden suchte und eröffnete am 14. März als erstes Schiff das Feuer auf die Dresden, während sie in der Cumberland-Bucht (Juan Fernandez-Inseln, Chile) auf ihre Internierung wartete.

Vielleicht schon wieder ein Zufall, aber die gleichnamigen Kreuzer hatten Anfang der Weltkriege die gleiche Aufgaben: entlang der langen Küsten eines neutralen Landes die deutsche Schiffe abzufangen (an den Endpunkten Kap Hoorn und Nordkapp). Diese parallelen könnten darauf hinweisen, dass einige bei der britischen Admiralität noch an Geschehnissen des ersten Krieges erinnerten  - und sich feindliche Gefühle gegenüber Dresden entwickelt haben.

Andreas

Offline Mark Alt

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #46 am: 11 November 2017, 20:15:13 »
Blumensprache im Südatlantik (?)

Im Buch World War II Sea War Vol. I (geschrieben von Donald A. Bertke, Gordon Smith und Don Kindell – teilweise erreichbar bei Googlebooks) gibt es einige (für mich) interessante Passagen zum Einsatz der Graf Spee und Altmark im Südatlantik:

Seite 53
Zitat
24 August 1939 – Battleship NELSON and RODNEY; battle cruisers HOOD and REPULSE; aircraft carrier ARK ROYAL; heavy cruiser CUMBERLAND; with light cruisers BELFAST, EDINGURGH, GLASGOW, SHEFFIELD, and SOUTHAMPTON returned to Scapa Flow from exercises.

Seite 53
Zitat
26 August 1939 – Heavy cruiser CUMBERLAND departed Scapa Flow for Plymouth in preparation for proceeding to the South Atlantic.

Seite 57
Zitat
28 august 1939 – Heavy cruiser CUMBERLAND arrived at Plymouth in preparation for proceeding to the South Atlantic.
30 august 1939 – Heavy cruiser CUMBERLAND departed Plymouth en route to the South America Station.

Seite 76
(Zur Zeit des Ausbruchs des Krieges) –
Zitat
SOUTH AMERICA DIVISION (Under Capt Henry Harwood, Cdre 2/c on heavy cruiser EXETER. South America Division was transferred from the America and West Indies Command, just prior to outbreak of the war, to the South Atlantic Station Command. Main base Port Stanley in the Falklands.
Heavy cruisers CUMBERLAND (Capt W. H. G. Fallowfield) and Exeter (Capt F. S. Bell) en route from Devenport, England, to South America via Freetown, Sierra Leone.

Seite 126
Zitat
11 September 1939 – German pocket battleship ADMIRAL GRAF SPEE and accompanying supply ship ALTMARK (10,857grt) had a near encounter with the heavy cruiser CUMBERLAND, which was sighted by an Arado AR196 seaplane from GRAF SPEE, only thirty miles away on an intercepting course. However, CUMBERLAND was en route from Freetown to Rio de Janeiro, Brazil, and did not even sight the aircraft.
*

Seite 284
Zitat
7 December 1939 – Heavy cruisers EXETER and CUMBERLAND were on patrol in the Falkland Island area. The Admiralty anticipated that the German pocket battleship ADMIRAL GRAF SPEE might attack Port Stanley on the anniversary of the Falkland Island naval battle, in which a British force under VAdm Sir Doveton Sturdee defeated a German force under VAdm Graf Maximilian von Spee on 8 December 1914.

12 December 1939 – Heavy cruiser CUMBERLAND was in the Falklands for boiler cleaning and refitting on short notice.

14 December 1939 22:00 – Heavy cruiser CUMBERLAND (Captain W. H. G. Fallowfield), cut her refit short in the Falkland Islands and joined light cruiser AJAX and New Zealand light cruiser ACHILLES off Montevideo.

Seite 285
Zitat
17 December 1939 – Heavy cruiser CUMBERLAND remained off Montevideo.
(nach der Selbstversenkung der Graf Spee)

Der mehrmals vorkommende Kreuzer gehörte zur Kent-Klasse und wurde nach der Grafschaft Cumberland im Nordwesten Englands benannt. Vielleicht nur ein Zufall, aber die Bucht bei Más a Tierra, wo die SMS Dresden im ersten Weltkrieg auf ihre Internierung wartend beschossen wurde, trug eben den gleichen Namen: Cumberland Bucht. Die Dresden war das letzte Schiff der von Maximilian Graf von Spee kommandierten Einheiten, nachdem sie als einzige die Falklandschlacht überlebte.

Durch diese Übereinstimmung könnte man verschiedene Botschaften indirekt übermitteln. Mit der Verlegung des Kreuzers gerade in diese Region und gerade nur einige Tage nach Kriegsausbruch konnte die Admiralty auf die Beschießung der Dresden (aus englischer Sicht: Battle of Más a Tierra) im vergangenen Kriege hindeuten, was auch als eine verdeckte Bedrohung dienen und so die südamerikanischen Staaten – die gute Beziehungen gegenüber den Achsenmächten pflegten – von der „Zusammenarbeit” mit Deutschland abraten konnte (ferner voraussagen, wie weit Großbritannien das internationale Recht gegebenenfalls respektieren würde…). Chile wurde damals vorgeworfen die Dresden bei ihrem Katz-und-Maus-Spiel unterstützt zu haben. So könnte man diesen Einsatz der Cumberland als eine Art Kanonenboot-Politik betrachten.

Deutscherseits soll die Wahl auf die Graf Spee für diese Aufgabe auch nicht zufällig gefallen sein. Die Graf Spee verließ Wilhelmshaven schon am 21. August, eine Woche früher als die Cumberland Plymouth. Die Briten waren der Propaganda-Möglichkeiten bewusst, und haben sich auch auf einen möglichen Überfall am 24. Jahrestag der Falklandschlacht gegen die Inseln gut vorbereitet. (Was aber nicht geschah.)

Das alles deutet darauf hin, dass man die symbolische Werte verschiedener Einheiten der Marinen bewusst auszunutzen anstrebte. Die Cumberland war auf der Jagd nach der Graf Spee im Westen des Südatlantik, aber musste gerade wegen Reparaturarbeiten auf Falkland verweilen, und so versäumte sie – ähnlich wie später die HMS Aurora – das Abfangen des für sie bestimmten Gegners.

Beim Altmark-Zwischenfall war aber die Auswahl grösser (Cossack, Ivanhoe, Sikh usw.) und letztendlich konnte Konteradmiral Halifax seine Flagge auf die Arethusa hochziehen und andere Leute von Aurora auf die Cossack umsteigen lassen (Entermannschaft), um dann in den Schlagzeilen stehen zu können.

Unter dem Namen der insgesamt 19 britischen schweren Kreuzer habe ich keinen anderen gefunden, die mit so einem symbolischen Wert im Südatlantik verfügt hatte.

* Naval-History.net gibt diese Sichtung umgekehrt wider:
Zitat
(September) 11th:      Passage to Rio de Janeiro – Aircraft sighted German pocket battleship GRAF SPEE and tanker ALTMARK but enemy ships escaped interception.
Die andere Schilderung ist etwas ausführlicher und dort wird das Flugzeug präzise als Ar 196 angegeben. Ist also anzunehmen, das die die richtige ist.


((Noch zu vermerken: Der Vorgänger HMS Cumberland, ein Panzerkreuzer, war am Anfang des ersten Krieges auch im Südatlantik tätig. Sie patrouillirte vor der Küste Kameruns.))

Gruß
Mark Alt

Offline redfort

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #47 am: 11 November 2017, 22:06:18 »
Zitat
* Naval-History.net gibt diese Sichtung umgekehrt wider:
Zitat

    (September) 11th:      Passage to Rio de Janeiro – Aircraft sighted German pocket battleship GRAF SPEE and tanker ALTMARK but enemy ships escaped interception.

Die andere Schilderung ist etwas ausführlicher und dort wird das Flugzeug präzise als Ar 196 angegeben. Ist also anzunehmen, das die die richtige ist.


Wieso anzunehmen  :?
GRAF SPEE hatte kein anderes Bordflugzeug mit !

Offline Mark Alt

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #48 am: 12 November 2017, 08:25:16 »
Hallo Axel,

ich denke auch so, dass diese Ar 196 der Graf Spee gehörte. Daher also die Deutschen sichteten die Briten und nicht umgekehrt, die Briten die Deutschen, wie es bei Naval-History.net steht.

(Laut Axels Tabelle war die Maschine einer der A1-Serie (T3+AH). Der Pilot verstarb beim Seegefecht, die Maschine brannte am Bord aus. Durch Selbstversenkung dann Totalverlust.)

Ergänzung: Es ist nicht ausgeschlossen, das gerade an diesem Tag die Briten auch die beiden deutschen Schiffe sichteten, da aber im "World War II Sea War Vol. I" keine besondere Ereignisse für den 11. September 1939 (sogar gar nichts zwischen den 8. und den 15.) im Südatlantik aufgezeichnet sind, dachte ich es wäre eine Mißinterpretation bei Naval-History.net. Vielleicht beschäftigt sich das Buch nicht mit der Luftaufklärung oder nur begrenzt und deswegen ist es nicht erwähnt worden.

Gruß
« Letzte Änderung: 12 November 2017, 08:43:57 von Mark Alt »

Online t-geronimo

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #49 am: 12 November 2017, 10:21:07 »
An anderer Stelle schreibt naval-history.net aber:

Zitat
Central Atlantic - German pocket battleship ADMIRAL GRAF SPEE and accompanying supply ship ALTMARK had a near encounter with heavy cruiser CUMBERLAND, which was sighted by GRAF SPEE’s aircraft only 30 miles away on an intercepting course. However, CUMBERLAND was en route from Freetown to Rio de Janiero and did not even sight the aircraft.
--/>/> http://www.naval-history.net/xDKWW2-3909-06SEP01.htm


Ich spekuliere, dass die Cumberland-Meldung eher so gemeint war, dass der britische Kreuzer auf eine angebliche Sichtung der deutschen Schiffe durch ein alliiertes Flugzeug in der Zeit vor dem 11.9. reagiert und dabei nichts gefunden hat.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Offline Mark Alt

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #50 am: 12 November 2017, 14:22:44 »
Hallo Thorsten,

Angus Konstam widmet in seinem Buch River Plate 1939: The sinking of the Graf Spee fast eine ganze Seite dem Ereignis. Demnach wußte man auf der Cumberland nichts über die Anwesenheit der Deutschen. Sie fuhr einfach nach Rio auf direktem Kurs. Die von mir zitierte Passage muss falsch sein.

Eine Kronologie enthält das Buch auch:

11 September Graf Spee’s floatplane spots Cumberland and Langsdorff avoids her.
(…)
1 October crew of SS Clement reach South America; Admiralty is informed that raider is at large in the South Atlantic.
(…)
9 October Altmark sighted by aircraft from Ark Royal but misidentified.



Nun, die Briten sollen über den Einsatz der Graf Spee nicht gewußt haben, erst am 1. Oktober erfuhren sie von ihr als die Clement erfasst wurde. (Das wußt ich doch...) Bis Ende September mußte die Graf Spee sich verstecken, nur dann erhielt sie den Befehl britische Handelsschiffe anzuhalten.

(Konstam schreibt den Namen des Piloten Bongardts, bei Axel heißt er Uffz. Heinrich Bongartz. Sicherlich die gleiche Person, nur einer der Namen [denke der erste] falsch geschrieben.)

Buch von Konstam (Seite 35):
https://books.google.hu/books?id=oQKGDAAAQBAJ&pg=PT74&lpg=PT74&dq=altmark+delmar&source=bl&ots=aQUwWtlyDd&sig=HmHxUP7_IhO6HrV0bpHlLvGjYz8&hl=hu&sa=X&ved=0ahUKEwi4t9GPnOPUAhVL5xoKHagAAg0Q6AEIMjAC#v=onepage&q=cumberland&f=false


Tabelle von Axel:
http://www.luftwaffe-zur-see.de/Seeluft/Verlustlisten/Jahr1939.htm