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Autor Thema: Altmark-Zwischenfall  (Gelesen 6413 mal)

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Offline Mark Alt

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Altmark-Zwischenfall
« am: 21 April 2017, 18:52:04 »
Hallo Leute,

ich bin neu hier und würde einige Fragen bezüglich des Altmark-Zwischenfalls stellen:

1. Kennt jemand die Punkte der Norwegischen Neutralitätsregulierung (Norwegian Neutrality Regulation) von 1939? Wo kann man sie auffinden?

2. Sind die offizielle Meldungen von Kapitän Heinrich Dau irgendwo erreichbar? Und die der Norweger?

3. Kennt jemand den Grund dafür, warum die deutschen Quellen über 303 Gefangenen schreiben, die Briten aber nur 299 befreit haben sollen?

4. Unter den Toten und Verletzten der Altmark waren auch Graf Spee-Matrosen?

5. Gerade die UFA-Tonwoche-Ausgaben 493., 494., 495., in denen der Zwischenfall erwähnt werden soll, sind auf YouTube nicht zu finden. Anderswo sind sie zu erreichen?

6. Wird in irgendeiner Quelle erwähnt, dass die Altmark noch vor dem Erreichen der norwegischen Hoheitsgewässer entdeckt wurde?

7. Wieviele norwegische Staatsbürger gab es  unter den Mitgliedern der Besatzung waren? (mindestens 2)

8. Wie das Gericht nach dem Ablauf in Egersund abgelaufen ist?

In erster Runde soviel.
Danke im Voraus für Eure Antwort!

Altmark
« Letzte Änderung: 21 April 2017, 19:00:53 von Mark Alt »

Offline Flottenparade

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #1 am: 21 April 2017, 20:01:10 »

2. Sind die offizielle Meldungen von Kapitän Heinrich Dau irgendwo erreichbar? Und die der Norweger?

3. Kennt jemand den Grund dafür, warum die deutschen Quellen über 303 Gefangenen schreiben, die Briten aber nur 299 befreit haben sollen.

7. Wieviele norwegische Staatsbürger gab es  unter den Mitgliedern der Besatzung waren? (mindestens 2)

8. Wie das Gericht nach dem Ablauf in Egersund abgelaufen ist?

Hallo,
Zu Punkt 2,3,8, würde ich mich an das ARCHIV der HMS Cossack ASSOCIATION wenden www.hmscossack.org/news.htm  Der Archivist ist Herr Keith Batchelor.
Die Leute sind sehr freundlich und helfen gerne.

Zu Punkt 7,es war nach meinen Infos,ein Norwegischer Staatsbürger an Bord der Altmark,und zwar der Lotse.Es wird auch noch,bei der Geschichte ein Norwegischer Zoll-Beamten erwähnt,aber ob der bei dem Zwischenfall,an Bord war,kann ich nicht sicher sagen.

Dann noch zur Info. An Weihnachten kommt von dem Norwegischen Autor Herr Geirr.Haar,in englischer Sprache,sein Altmark Buch auf den Markt.Im Sommer soll vom selben Autor,ein Altmark-Dokumentarfilm,
fertig sein,der dann im neuen Jössingfjord-Museum verkauft wird
Auf diesen Film bin ich selber sehr gespannt,da ich im Oktober 2016,mit meinen Modellen Altmark und HMS Cossack,bei den Film-Aufnahmen selber dabei war.Diese Szenen,wurden in die Originale Jössingfjord-Kullisse,Digital ein gefügt.

Gruß,
Peter
« Letzte Änderung: 21 April 2017, 22:14:20 von Flottenparade »
Kaiserliche Werft in Wilhelmshaven

Offline bodrog

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #2 am: 21 April 2017, 20:03:41 »
Andreas?

Offline Mark Alt

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #3 am: 21 April 2017, 22:02:33 »
Freilich Andreas  :-) Du Fluß?  :wink:

Das Buch von Haarr The Gathering Storm kenne ich, nur 3-4 Seiten fehlen auf Googlebooks (360, 367, 369, 387). Wären auch wichtig.

HMS Cossack Association kenne ich, liefern nicht gerade zuverlässige Informationen. Aber es ist durchaus wichtig, was sie schreiben! Heute habe ich an sie geschrieben, noch keine Antwort. Probiere morgen diese Adresse wenn nötig.

Frischauer und Jackson erwähnen zwei Norweger, die Besatzungsmitglieder waren. (The Altmark Affair, Macmillan, New York 1955). Nicht die Lotsen und die Zollbeamten meine ich. (Sie hiessen Sörens und Erickson, siehe Seite 16. und 21. und ein dritter(?) wird auf Seite 86. erwähnt)

Frage: Hätte die Altmark unter der Reichsdienstflagge Widerstand mit Waffengewalt ausüben? Im Buch R. K. Lochners - Als das Eis brach - steht sowas. Hingegen wird es im Daus Buch - seit vier Tagen auf GoogleBooks erreichbar in voller Länge - nicht erwähnt. Worauf kann sich dann Lochner beziehen?

« Letzte Änderung: 21 April 2017, 23:05:56 von Mark Alt »

Offline Flottenparade

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #4 am: 21 April 2017, 22:53:46 »
Das Buch von Haarr The Gathering Storm kenne ich, nur 3-4 Seiten fehlen auf Googlebooks (360, 367, 369, 387). Wären auch wichtig.

Hallo,
Dieses Buch habe ich auch,das was ich meine kommt erst ganz neu auf den Markt,an Weihnachten 2017.Ich habe Herrn Geirr.Haarr Fotos,Altmark Baupläne und eine kurzfassung eines Tagebuchs eines Besatzungsmitglieds,bei unseren Treffen im Oktober 2016,dafür gegeben.
Ein weiterer Altmark Fachmann wäre der Norweger Jostein Berglyd aus Egersund.Leider ist durch einen PC Fehler,seine Email und Post-Adresse,mir verloren gegangen.Auch weis ich nicht ob er noch lebt.Er hat für sein Altmark-Buch,leider nur in  Norwegisch,noch mit einigen Besatzungsmitgliedern,nach dem Krieg sprechen können.
Gruß,
Peter
Kaiserliche Werft in Wilhelmshaven

Offline Mark Alt

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #5 am: 21 April 2017, 22:58:15 »
Ich sehe dass du über ein zukünftiges Buch schreibst.

Auf der Seite der Cossack Association ist ein kleiner Text über den Zwischenfall zu lesen. Dort schreibt man, die Altmark hätte Norwegen am 12. Februar erreicht und am 13. Februar wurden die Leute von Aurora auf Cossack und auf die anderen Schiffe gebracht mit Ausrüstung für eine Enterung. Da steht noch, dass die Schiffe am 14. losfuhren, aber kein weiteres Datum bis am Ende, wo erwähnt wird, das der Überfall am 16. Februar geschah. Die Beschreibung ist nicht von hoher Qualität, also wahrscheinlich handelt es sich dabei darum, dass man sich um zwei Tage verschrieben hat.

Aber tatsächlich hatte die Altmark am 12. Island erreicht und Norwegen nur am 14. Also es kann auch sein, dass sie bei Island gesichtet und danach entsprechend Churchills Befehl beschattet wurde. Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum die Einheiten der 4. Zerstörer-Flottille sich schon am Abend des 13. Februar auf diesen Einsatz vorbereitet haben konnten. Die Aufstellung dieser Flottille ist auch merkwürdig.

Also es wäre wichtig zu wissen, ob man sich mit den Daten verschrieben hat oder nicht. Beschäftigen sich die von dir erwähnten Bücher mit dem Aufmarsch der 4. Zerstörer-Flottille?

Offline Flottenparade

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #6 am: 21 April 2017, 23:14:39 »
Beschäftigen sich die von dir erwähnten Bücher mit dem Aufmarsch der 4. Zerstörer-Flottille?
Hallo,
Da das Buch von Jostein Berglyd in Norwegisch ist,das ich nicht kann,so kann ich auch nicht sagen was genau drin steht.Ich würde es sehr gerne lesen,wenn es in Englisch erscheinen würde.Und bei dem neuen Buch von Geirr.Haarr muß man sich überraschen lassen,genau so,wie mit seinem Altmark Dokofilm.Ich habe mit Geirr.Haarr bei unserem Treffen,sehr lange über das Thema Altmark gesprochen.Aber ich kann und darf jetzt noch nicht alles verraten.
Gruß,
Peter
Kaiserliche Werft in Wilhelmshaven

Offline Mark Alt

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #7 am: 21 April 2017, 23:35:41 »
Haarrs Buch ist das beste in diesem Thema. Ich weiss nicht, ob er diesen Artikel kennt:

Martin A. Doherty: The attack on the Altmark - A case study in wartime Propaganda, Journal of Contemporary History 38/2003, S. 187-200. http://jch.sagepub.com/content/38/2/187.full.pdf

Darin wird das Buch von Thomas Foley als hysterische Propaganda bezeichnet. Also ich war überrascht, dass er ihn zitierte.

Ich fragte nach der Neutralitätsregulierung vor allem wegen seines Buches. Vorgestern habe ich bei Dau gelesen S. 97-100.), dass der Funkverkehr nur mit Stationen außer Norwegen verboten war, Haarr (S. 356.) aber schreibt, dass es ganz und gar verboten war.

Offline Flottenparade

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #8 am: 23 April 2017, 11:17:52 »
Mark Alt schrieb:Meine letzte Nachricht scheint verschollen zu sein.

Weiß man über die Schießerei im Fjord soviel, was auch Herr Haarr in seinem Buch schreibt? Wie denkst du, haben die Briten oder die Deutschen zuerst geschossen  - oder haben eigentlich die Deutschen Schüsse abgegeben?

Hier im MarineArchiv habe ich beimThema "Die Toten der Altmark, 1940" gelesen, dass Fritz Schürmann ein Obergefreiter war. War er ein Graf Spee-Matrose? Auf dem 'identity disc' des vermeintlich ertrunkenen Seemanns stand: Hans Berndsen KMW Kiel 28. 5. 16. Bedeutet es Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven (Arbeitsplatz) und Geburtsort? Also war er kein Soldat? Wie lautet 'identity disc' auf deutsch?

Frischauer und Jackson präsentieren in ihrem Buch auf der Seite 55 eine Skizze über das Vorderschiff der Altmark, die zeigt, wo die Gefangenen untergebracht waren. Eine Liste aller Befreiten wird ab der Seite 251 geschildert. Weiß man auch welcher Gefangene in welchem Laderaum (zur Zeit der Befreiung) untergebracht war? Die Briten sollen in zwei verschiedenen Laderäumen untergebracht worden sein, im Achterschiff und im Vorderschiff (die Inder separat).

Hallo Mark Alt,
Dein Thema ist nicht verschollen hier im Forum,es wandert nur mit der Zeit nach unten im Portal.Wenn es da nicht mehr zu sehen ist,so gehe auf Forum und dann auf Deutsche Kriegsmarine (Schiffe).
Ich habe mir erlaubt,deine weiteren Fragen,die du mir per PN geschickt hast,hier zu Posten,damit auch andere Forum-Mitglieder es lesen,oder auch Beantworten können.
Hier meine Antwort auf einen Teil deiner Fragen:
Die Briten haben bei der Kaperung sofort geschossen.Die Deutschen hatten zwar je eine Handvoll Gewehre und Pistolen,sowie 2 Flaks 2 cm, von der Graf Spee,beim ersten Treffen erhalten.Aber die Waffen wurden im Laderaum versteckt, in Kisten.Die Altmark wurde ja von den Norwegern zwei mal durch sucht.In Norwegischen Hoheitsgewässern trug kein Besatzungsmitglied eine Waffe am Mann.
Der Autor Geirr.Haarr wird das mit den Gefangenen Unterkünften in seinem neuen Buch schreiben,dafür hat er auch meine Altmark Werft Pläne bekommen.
Gruß,
Peter
« Letzte Änderung: 23 April 2017, 11:28:29 von Flottenparade »
Kaiserliche Werft in Wilhelmshaven

Offline Urs Heßling

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #9 am: 23 April 2017, 23:36:10 »
moin, Mark,

ich bin neu hier und würde einige Fragen bezüglich des Altmark-Zwischenfalls stellen:
Dann möchte ich Dich bitten, Dich doch selbst auch einmal vorzustellen  :wink:

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline Mark Alt

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #10 am: 25 April 2017, 19:56:17 »
Einige Anmerkungen zum Altmark-Zwischenfall:

Es ist möglich (wenn nicht wahrscheinlich), dass die Briten die Altmark noch vor dem 14. Februar aufgeklärt haben. In einem Text der HMS Cossack Association ist der 12. Februar als der Zeitpunkt für das Aufklären angegeben und demnach wurde schon am 13. Februar die 4. Zerstörer-Flottille alarmiert und einige Matrosen der unter Reparatur befindlichen Schiffe (HMS Aurora, HMS Afridi) auf die Zerstörer verteilt. Die britische Admiralität ordnete an, dass die Altmark in hoher See nicht angegriffen werden soll, denn so eine Aktion abseits vom Festland hätte die Gefangenen gefährden können. Stattdessen sollte man sie beschatten. [siehe: Haarr S. 522. (7)]

In diesem Fall konnten die Briten sich gründlich auf die Angriffsaktion vorbereiten. Dabei ist es auch interessant, welche Einheiten sie ausgewählt haben, denn mit den Namen der Schiffe konnte man auch Botschaften vermitteln.

Die Arethusa war der leichte Kreuzer, der die Zerstörer aus der Entfernung unterstützen hatte. Arethusa diente im 3. Kreuzer-Geschwader im Mittelmeer, am 11. Januar kam sie zur Home Fleet an und wurde Teil des 2. Kreuzer-Geschwaders. Eigentlich war die Aurora das Flaggschiff des Geschwaders und sie hätte an ’Operation DT’ teilnehmen können (anstatt Arethusa), aber an ihr wurden gerade Reparaturen ausgeführt. Der verwundete Brite (Gunner J. J. F. Smith) gehörte zur Besatzung der Aurora. [Haarr schreibt, er sei ein Arethusa-Besatzungsmitglied - S. 524 (80)]

Die Tribal-Klasse-Einheiten der 4. Zerstörer-Flottille (Cossack, Sikh, Nubian) wurden mit zwei I-Klasse Zerstörer ergänzt: Ivanhoe und Intrepid. Die wurden schon im September von Alexandria nach Plymouth verlegt und wurden Teil der 3. (Minenleger)-Zerstörer-Flottille.

Die Schiffsnamen Cossack, Aurora und Ivanhoe – die unter der Führung des neulich (Januar 1940) an die Spitze der Flottille ernannten Kapitäns Philip Ivan standen - konnten sich in der sowjetischen Presse gut verkaufen. Das Flaggschiff der Flottille, die Afridi wurde zur Zeit auch repariert. Vian entschied sich den Kapitän der Cossack zu beurlauben, um diesen Zerstörer übernehmen zu können. Die 4. Zerstörer-Flottille bestand aus der 7. (Afridi, Gurkha, Mohawk, Sikh) und 8. Zerstörer-Divisionen (Cossack, Maori, Nubian, Zulu). Ob er hätte auch eine der anderen drei seiner Division führen können oder nur die Cossack als Flaggschiff einsatzbar war?

Haarr erwähnt in seinem Buch, dass nach der Überfall der Schiffsarzt der Zerstörer Sikh an Bord der Cossack kam, um bei der Versorgung der Befreiten helfen zu können. Unter den Gefangenen gab es 67 Inder. In der indischen Presse könnte es eine gutklingende Nachricht sein, dass die Inder vom Schiffsarzt eines Schiffes Namens ”Sikh” betreut wurden.

Unter den Gefangenen waren 8 Schwarz-Afrikaner, über die Dau auf Seite 47 folgendes schreibt:

„Die Männer der „Altmark" staunen nicht wenig, als mit einem Boot des „Graf Spee", das Gefangene herüberbringt, auch acht riesige Neger an Bord kommen. Grinsend stellen sie sich mit den europäischen Gefangenen auf dem Deck der „Altmark" auf. Es sind mächtige Burschen, einige mit dicken Tätowierungsnarben und spitz zugefeilten Zähnen.”

Die Mitglieder des in Nordostafrika wohnenden Stammes Afar haben die Sitte, ihre Zähne spitzenförmig auszuschärfen. Der hohe Schwefelinhalt in der Region weicht ihre Zähne auf, was eine solche „Bearbeitung” möglich macht. Vielleicht nur ein Zufall, aber die Nubier sind auch ein nordostafrikanisches Volk, unweit von den Afaren. Ein Kriegsschiff mit dem Namen HMS Afar gab es eben nicht.

Was hier merkwürdig vorkommt, dass Winston Churchill zu dieser Zeit über die an Finnland gegen die Sowjetunion gebotene Hilfe sprach und dafür (und um die Erztransporte nach Deutschland hindern zu können) auch eine Intervention in Norwegen andrang, trotzdem aber eine gar nicht so heimliche Geste an den Russen vermittelte.

Die britische Admiralität hatte also vor, die Altmark in norwegischen Gewässer zu entern. Was die Schießerei betrifft, stellt man oft die Frage: wer hat zuerst geschossen? Schon die Fragestellung kann falsch sein, da alle norwegischen Augenzeugen sprachen nur über Schießen der Engländer und auch die Bewaffneten der Altmark (die Graf Spee-Seeleute) haben Dau eidlich versichert weder Schüsse abgegeben, noch die Angreifer mit ihren Waffen gedroht zu haben. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die deutsche Seeleute unter Feuer genommen wurden, weil so die Geschehnisse als Kampf dargestellt werden konnte. Diese Aktion musste ein „Blockbuster” sein, ein „World Headline” sein. Und dazu soll man bei der Admiralty die Opfer gabraucht haben.

Ich denke dass man diese Aspekte des Zwischenfalls auch nachforschen sollte. Wie es zu dieser Konstellation der Schiffe kommen konnte und wie z. B. die russische und indische Presse darüber berichtete. Was waren die eigentliche Motive der Briten in Skandinavien und was waren die nicht?
« Letzte Änderung: 27 April 2017, 19:21:10 von Mark Alt »

Offline Hägar

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #11 am: 26 April 2017, 10:43:03 »
Unabhängig von interessanten gedanklichen Querverbindungen und Details, muss man aus meiner Sicht in erster Linie sehen, dass es ganz schlicht eine Prestige-Aktion war.

Es konnte einfach nicht sein, dass das meerbeherrschende Albion dabei zusah, dass seine eigenen Leute von einem popeligen deutschen Versorger in Gefangenschaft nach Deutschland gebracht wurden. (Eine Abschätzungsfrage wäre dabei, ob die Aktion auch stattgefunden hätte, wenn die ALTMARK nur, sagen wir, 25 Gefangene an Bord gehabt hätte.)

Insofern war das ALTMARK-Unternehmen zunächst einmal ein Akt der Selbstachtung und Demonstration, der dann in der politisch-strategischen Folge eine besondere Dynamik entwickelte.

Gruß – Hägar

Offline Urs Heßling

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #12 am: 26 April 2017, 17:28:39 »
moin,

3. Kennt jemand den Grund dafür, warum die deutschen Quellen über 303 Gefangenen schreiben, die Briten aber nur 299 befreit haben sollen?
Die britische Admiralität ordnete an, dass die Altmark in hoher See nicht angegriffen werden soll, denn so eine Aktion abseits vom Festland hätte die Gefangenen gefährden können. Stattdessen sollte man sie beschatten. [siehe: Haarr S. 522. (7)]
...
Unter den Gefangenen gab es 67 Inder. In der indischen Presse könnte es eine gutklingende Nachricht sein, dass die Inder vom Schiffsarzt eines Schiffes Namens ”Sikh” betreut wurden.
Unter den Gefangenen waren 8 Schwarz-Afrikaner, über die Dau auf Seite 47 folgendes schreibt:
„Die Männer der „Altmark" staunen nicht wenig, als mit einem Boot des „Graf Spee", das Gefangene herüberbringt, auch acht riesige Neger an Bord kommen. Grinsend stellen sie sich mit den europäischen Gefangenen auf dem Deck der „Altmark" auf. Es sind mächtige Burschen, einige mit dicken Tätowierungsnarben und spitz zugefeilten Zähnen.”
Es konnte einfach nicht sein, dass das meerbeherrschende Albion dabei zusah, dass seine eigenen Leute von einem popeligen deutschen Versorger in Gefangenschaft nach Deutschland gebracht wurden. (Eine Abschätzungsfrage wäre dabei, ob die Aktion auch stattgefunden hätte, wenn die ALTMARK nur, sagen wir, 25 Gefangene an Bord gehabt hätte.)
Auch wenn hier und in Originaldokumenten und sonst im Netz nur von Gefangenen die Rede ist ..
.. hat es sich völkerrechtlich um Internierte gehandelt, da die Handelsschiffmatrosen (zuvor) keine Kombattanten waren.

Gruß, Urs
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Offline FAUN

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #13 am: 26 April 2017, 23:53:31 »
Einige Anmerkungen zum Altmark-Zwischenfall:

(...)

Unter den Gefangenen waren 8 Schwarz-Afrikaner, über die Dau auf Seite 47 folgendes schreibt:

„Die Männer der „Altmark" staunen nicht wenig, als mit einem Boot des „Graf Spee", das Gefangene herüberbringt, auch acht riesige Neger an Bord kommen. Grinsend stellen sie sich mit den europäischen Gefangenen auf dem Deck der „Altmark" auf. Es sind mächtige Burschen, einige mit dicken Tätowierungsnarben und spitz zugefeilten Zähnen.”

Die Mitglieder des in Westafrika wohnenden Stammes Afar haben die Sitte, ihre Zähne spitzenförmig auszuschärfen. Der hohe Schwefelinhalt in der Region weicht ihre Zähne auf, was eine solche „Bearbeitung” möglich macht. Vielleicht nur ein Zufall, aber die Nubier sind auch ein Westafrikanisches Volk, unweit von den Afaren. Ein Kriegsschiff mit dem Namen HMS Afar gab es eben nicht.

(...)


Es ist zwar nur eine Randbemerkung, aber die Afars bilden mit den Issas das heutige Dschibuti am Horn von Afrika, die Nubier sind im Sudan anzusiedeln, oder mit anderen Worten in Ostafrika. Eine potentielle HMS Afar hätte sich demgemäß auf Französich- Somalieküste bezogen.

Offline Mark Alt

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Re: Altmark-Zwischenfall
« Antwort #14 am: 27 April 2017, 08:23:42 »
Entschuldigung, da habe ich mich peinlich verschrieben. Natürlich geht es hier um zwei Nordostafrikanischen Völker. Danke für deine Bemerkung FAUN. Eine Afar-Region gibt es im Norden Äthiopien, 90% der Bevölkerung machen sie dort aus. Die Nubier sind im benachbarten Sudan heimisch.

Natürlich ging es dabei auch um Prestige. Daß die Altmark durch die Blockade konnte, hätte schon ein Prestige-Verlust für die Briten sein können - vor allem wenn sie bis nach Deutschland fahren konnte. Wie gesagt, hat Churchill selbt verordnet, daß das Schiff beschattet werden muss, anstatt auf hoher See angegriffen zu werden. Für Churchill ging es dabei um viel mehr als um die Prestige. Er selbst schrieb in seinem Buch:

Die Rettung der Gefangenen [Internierten also] und das schneidige Vorgehen von Captain Vian führten zu einer Welle der Begeisterung in Britannien, fast der nach der Versenkung des Admiral Graf Spee gleich. Beide Ereignisse stärkten mir die Hand und das Ansehen der Admiralität.

Ich würde eher die Frage so formulieren: Was war den Briten von so großer Bedeutung, daß sie der Altmark erlaubten, die Blockade durchzubrechen, und sich damit selbst Prestigeverlust zu verursachen. War die Anordnung Churchills schon während des Krieges veröffentlicht, damit sie doch die Effektivität der Blockade beweisen könnten? Kaum. Ein geschickter Politiker muss die Folgen und die entwickelnde Dynamik der Ereignisse vorhersehen. Aus dieser Hinsicht kann man das Vorgehen Churchills (und Halifax') als genial bezeichnen. Ich persönlich würde es anders formulieren.