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Autor Thema: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"  (Gelesen 5231 mal)

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Offline Matrose71

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #15 am: 02 Februar 2017, 20:23:27 »
Hallo Jürgen,

ich möchte dir nicht grundlegend widersprechen, in deiner Analyse bezgl. der Entente hast du auch recht, aber sehr vieles war auch "hausgemacht", so wohl politisch, ökonomisch als auch verwaltungstechnisch.

Es gab im Kaiserreich keine einheitliche Rationierung oder Verteilungsverwaltung, als auch bis zum Ende keinen wirklichen Druck auf die Bauern und Großgrundbesitzer (Großbauern). Die Ernteleistung im Agrarbereich sank im Kaiserreich von 1914 bis 1918 um mehr als 50%, das Militär war bis 1916 für die Verteilung der Lebensmittel an die Zivilbevölkerung für ihre Militärbezirke innerhalb Deutschlands zuständig. Dazu gab es lange einen "freien Markt" für Lebensmittel und die Bauern verkauften an den meistbietenden, ohne wirklichen Druck.

Dazu gab es nach meinem Wissensstand keine Planung oder Ausführung, Kriegsgefangene umfangreich im Agrarbereich einzusetzen.

Insoweit kann man hier auch von einem sehr deutlichen bis totalen Versagen des Kaiserreichs sprechen, da es genügend Möglichkeiten gegeben hätte, dass anders zu organisieren, verwalten und auch den nötigen Druck auf alle Agrarier auszuüben, ihre Lebensmittel zu Festpreisen abzugeben, wie auch eine absolut umfangreiche Verwendung von Kriegsgefangenen.

Über 50% Verlust der Ernteleistung hält kein Land auf Dauer aus und zeugt von Versagen auf allen Ebenen!

Meine Großeltern mütterlicherseits, sind 1914 in der Lüneburgerheide als Kinder von Bauern geboren, ich kann dir aus Famillienüberlieferungen versichern, das die keinen Hunger gelitten haben, eingeschlossen aller Gemeindemitgieder auf dem Land.
« Letzte Änderung: 03 Februar 2017, 01:50:36 von Matrose71 »
Viele Grüße

Carsten

Offline Kaspar

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #16 am: 02 Februar 2017, 20:52:25 »
Die Verhinderung  der Zufuhr von Lebensmitteln nach Deutschland , die führte dazu ,
dass die deutsche Bevölkerung sehr hohe Opfer an verhungerten Zivilisten hatte .
Die Bombenopfer im WW II erreichten niemals die Anzahl der verhungerten im WW I .
Es sind im ersten Weltkrieg mehr Menschen in Deutschland verhungert , als der
Bombenkrieg im zweiten Weltkrieg verursacht hat .

Hallo,
das ist so nicht bewiesen und stammt aus Nachkriegsliteratur. Vor allem versuchte man mit solchen Behauptungen das eigene Versagen bei der Verteilung der Lebensmittel zu vertuschen.
Gruß
Kaspar


Offline Götz von Berlichingen

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #18 am: 02 Februar 2017, 21:19:40 »
Kein Staat und kein Staatschef in Verantwortung gegenüber der Bevölkerung kann es hinnehmen, wenn Leben und Eigentum der Bürger von einem anderen Staat rücksichtslos vernichtet werden.

Etwas ketzerisch könnte man fragen, was nun damit gemeint sei, etwa das Leben der Hunderttausenden deutschen Soldaten, die von den Granaten, Patronen und Gewehren, die von den USA an die Feinde Deutschlands (und nur an diese!) geliefert wurden, "rücksichtslos" zerrissen wurden?

Gut, es ist mir natürlich klar, daß diese damit nicht gemeint sind.

Aber es war und bleibt eine merkwürdige Auslegung des Völkerrechts, wenn ein US-Präsident zu glauben vorgibt, daß es das gottgegebene Recht eines jeden US-Bürgers sei, auf Schiffen einer Kriegspartei ein Kriegsgebiet zu befahren und dafür die Gewähr zu erhalten, an Leib, Leben, Gesundheit und Eigentum unbeschädiigt und unbeeinträchtigt sein Reiseziel zu erreichen.

Was hätten etwa die US-Präsidenten Bush sen. und jun. gesagt, wenn Jelzin oder Putin während der beiden Irak-Kriege die Forderung aufgestellt hätten, es sei das gottgegebene Recht eines jeden russischen Bürgers, in Flugzeugen der Iraqi Airways sicher vor jedem US-Angriff während des Krieges nach Bagdad oder Basra zu fliegen?

Und wenn mit »Eigentum seiner Bürger« das ohne Unterlaß beförderte Kriegsmaterial im Milliarden-Dollar-Wert gemeint sein sollte, so wird man wohl kaum eine Verpflichtung für den Staat, gegen den dieses Kriegsmaterial zum Einsatz gebracht werden sollte, finden, diese Transporte nur deswegen passieren zu lassen, weil sich US-Staatsbürger auf den transportierenden feindlichen oder neutralen Schiffen befanden. Im Falle Irak/Serbien etc. nennt man ein solches Vorgehen aus Washington und London für gewöhnlich "menschliche Schutzschilde".

...das ist so nicht bewiesen und stammt aus Nachkriegsliteratur. Vor allem versuchte man mit solchen Behauptungen das eigene Versagen bei der Verteilung der Lebensmittel zu vertuschen.

Interessant. Die Angaben der Weimarer Republik (über 700.000 Verhungerte während des Krieges) sind also der "Versuch, das eigene Versagen bei der Verteilung der Lebensmittel zu vertuschen". Gilt eine solche "Argumentation" dann etwa auch für die Opfer der Leningrader Hungerblockade 1941-44 oder vermutlich doch wohl nur für »deutsche Täter sind keine Opfer«?
« Letzte Änderung: 02 Februar 2017, 21:43:40 von Götz von Berlichingen »
»Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.«  Arthur Schopenhauer

Offline juergenwaldmann

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #19 am: 02 Februar 2017, 21:29:31 »
Hier steht die Zahl von 800 000 Tote durch Hunger .

https://de.wikipedia.org/wiki/Steckr%C3%BCbenwinter

aber ich will keine Hungertoten auflisten , denn nach dem Krieg
raffte die spanische Grippe Millionen Menschen dahin .
Jürgen

Offline Matrose71

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #20 am: 03 Februar 2017, 00:35:24 »
Witzig das sich alle um die hausgemachten Probleme drücken!

Wie gesagt die Entente hat Dreck am Stecken, ich würde auch nicht Urs prägnanten Satz unterschreiben, aber das Kaiserreich hat sich zum großen Teil an die eigene Nase zu fassen!
Viele Grüße

Carsten

Offline Matrose71

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #21 am: 03 Februar 2017, 04:29:49 »
Salve,

ich bin ja für eine wahrheitsmäßige Aufarbeitung, aber dazu gehören alle Sichtweisen und unser Herr beck,Schulte sieht ja eher die amerikanischen "Freunde" in der Verantwortung, dabei war dem GG durchaus bewußt, das es ein langer und sehr blutiger Krieg werden könnte, auf den man sich ÜBERHAUPT NICHT vorbereitet hat!
Aber man wollte sich unter allen Umständen hineinstürzen....

Spätestens Ende 1914 standen alle Vorzeichnen auf einem langen Krieg, gehandelt wudre unzureichend bis gar nicht!
Klar wollten die USA und die Entente das Kaiserreich "vernichten", es ist aber verdammt blöd in alle Fallen und Fettnäpfchen zu treten, die ausgelegt werden, ohne den eigenen Grips zu gebrauchen, um umfangreiche Gegenmaßnahmen einzuleiten, statt einfach weiterzumachen wie es im Vorkriegshandbuch stand!

Ich bin einer der größten und wirklich emotional meist involvierten Kritiker von Röhl, Fischer und Mombauer, was aber "intelelktuell" in diesem Thread kommt, ist eher lachhaft bis beschämend!

Mimimi auf ganzer Linie, ohne deutsche Fehler Reflektion!
« Letzte Änderung: 03 Februar 2017, 04:44:56 von Matrose71 »
Viele Grüße

Carsten

Offline Urs Heßling

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #22 am: 03 Februar 2017, 09:34:32 »
moin, Carsten,

Mein Lieber, warst Du vielleicht, ohne Dir etas unterstellen zu wollen, um diese Uhrzeit doch schon etwas müde  :wink: ?

.. was aber "intelelktuell" in diesem Thread kommt, ist eher lachhaft bis beschämend!

Mimimi auf ganzer Linie, ohne deutsche Fehler Reflektion!
Mein Startbeitrag stellt durchaus eine solche Reflektion dar (allein durchs Da-sein) :wink:

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline beck.Schulte

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #23 am: 03 Februar 2017, 11:12:07 »
Mimimi auf ganzer Linie, ohne deutsche Fehler Reflektion!..man sollte beim Thema bleiben. Den Kriegsbeitritt der USA. Dabei ist es wohl angesagt, das Verhalten der US Administration und auch deren  Presse in den Jahren davor  aufzuzeichnen. Für Volksversorgung ist m,M.n. Ferguson immer noch die lesbarste Quelle. Außerdem war 1914 der moderne Massen mordende Volkskrieg kaum im Bewusstsein.
Letztlich hätten die USA , wie 1940/41 , schon eine Situation (Mexico) zum Kriegsausbruch herbei geführt.
Röhl, Fischer und Mombauer Wer ist Fischer? Fischers Fritze ? Der Nazi-Historiker der in den 50-60ziger sich eine `Persilschein" abholen wollte. ? Der ist tot und lebt nur noch im Deutschen Fernsehen, bei den  staatlich subventionierten "Fachhistoriker"" und bei der aussterbenden 68ziger Generation .

Offline Benjamin

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #24 am: 03 Februar 2017, 15:28:26 »
Mimimi auf ganzer Linie, ohne deutsche Fehler Reflektion!..man sollte beim Thema bleiben. Den Kriegsbeitritt der USA.

Ich erlaube mir eine kleine Korrektur  :MZ: . In diesem Thread geht es um folgendes Thema: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg".

If there's more than one possible outcome of a job or task, and one of those outcomes will result in disaster or an undesirable consequence, then somebody will do it that way.

Offline Woelfchen

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #25 am: 03 Februar 2017, 19:02:29 »
Mal eine (evtl. ganz Blöde) Frage: War der uneingeschränkte U-Bootkrieg wirklich uneingeschränkt?
Soweit ich Karten dazu gesehen habe ging es im Nordatlantik doch um "einen erweiterten" Küstenstreifen.
Siehe Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/U-Boot-Krieg#Erster_Weltkrieg

Was ist darin "uneingeschränkt"? Frankreich und Großbritanien waren im Krieg.
Da kann man doch nicht erwarten das man einfach mal ungefährtet hinfahren kann?
Nach Norwegen, Dänemark oder Spanien (neutral) sollte doch gehen.
Nach Deutschland ging doch das von der USA doch auch nicht.
Wie war es außerhalb dieser Zone?

Oder ist die Karte kompletter Unsinn?

Viele Grüße
Johannes

Offline Jach

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #26 am: 03 Februar 2017, 19:51:38 »
Die nachstehend verlinkte Karte ist besser. Sie stimmt mit den deutschen Sperrgebietserklärungen überein:

http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k65186237/f119.image

Nachtrag
Noch besser:
https://www.loc.gov/resource/g5701s.ct007680/
Mit freundlichem Gruß

K. Jach

----
AK Krieg zur See 1914-1918 e.V.
www.seekrieg14-18.de

Offline Matrose71

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #27 am: 05 Februar 2017, 02:00:40 »
moin, Carsten,

Mein Lieber, warst Du vielleicht, ohne Dir etas unterstellen zu wollen, um diese Uhrzeit doch schon etwas müde  :wink: ?

.. was aber "intelelktuell" in diesem Thread kommt, ist eher lachhaft bis beschämend!

Mimimi auf ganzer Linie, ohne deutsche Fehler Reflektion!
Mein Startbeitrag stellt durchaus eine solche Reflektion dar (allein durchs Da-sein) :wink:

Gruß, Urs

Salve Urs,

du warst zu keinem Zeitpunkt Ziel oder Inhalt meiner Kritik!
Viele Grüße

Carsten

Offline mudfladdy

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #28 am: 06 Februar 2017, 11:33:11 »
DIe Erklärung des uneingeschränkten Ubootkrieges war der Sargnagel auf dem Deckel der Mittelmächte im 1. Weltkrieg.

Analysiert man die Versenkungsergebnisse erkennt man zudem, dass er völlig unnötig war.
Warum?
Weil im Konvoy fahrende Schiffe per se legitime Angriffsziele waren, die Anzahl an versenkten Einzelfahrern nach Prisenordnung auch NACH der Erklärung des uneingeschränkten Ubootkrieges hoch ging.

Ergo, mehr Hirn und Verstand bei Hindenburg und Ludendorff, dazu ein Sturz von der Treppe oder ähnliches für einen Herrn Zimmermann und die Welt wäre ein besserer Ort geworden.

Die Kombination aus Zimmermann-Telegramm und uneingeschränkter Ubootkrieg löste den Kriegseintritt der USA aus, welche im Frühjahr 17 bereits sehr ungehalten mit den Entente-Mächten war, wegen derem illegitimen (verbrecherischen) Verhalten gegenüber den Neutralen.

Und den Briten gingen die Kredite aus. Das ist Faktenlage.
Dank des Zusammenbruchs der Ökonomie von Frankreich, Russland und Italien stemmte Großbritannien alleine die Kredite... was man nicht konnte und im Mai 17 wäre man nicht mehr in der Lage gewesen (weiss man heute) weitere Kredite zu bekommen (eben weil Wilson UNGEDECKTE Kredite untersagte).

Kurz gesagt, der 01.02.17 rettete der Entente den Sieg. Sehr bedauerlich, wie ich finde.

Offline Urs Heßling

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Re: Heute vor 100 Jahren : "Uneingeschränkter U-Boot Krieg"
« Antwort #29 am: 06 Februar 2017, 13:59:08 »
moin,

Ergo, mehr Hirn und Verstand ...
Der Wunsch ließe sich auf 1914, 1933 und noch sehr, sehr viele andere Daten und Personen bis in die neueste Gegenwart ausdehnen ... bleibt aber nutzlos.
Nur wir selbst mit unserem Handeln können die Welt (ein wenig) zu einem "besseren Ort" machen.


der 01.02.17 rettete der Entente den Sieg. Sehr bedauerlich, wie ich finde.
Weder beim Ersten noch beim Zweiten kann ich Dir zustimmen.
Ich werde Dir aber nicht den Gefallen tun, darüber in diesem Thread eine Diskussion zu beginnen.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"