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Autor Thema: Neuerscheinung: Die Schwarzmeer-Einheitsschiffe SME 1 - SME 12 von Wilhelm DONKO  (Gelesen 4553 mal)

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Offline Asahi.3

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Liebe Marinefreunde!

Ich erlaube mir erneut auf ein kleines Büchlein hinzuweisen, das ich soeben zu einem marinehistorischen Orchideenthema veröffentlicht habe: „Die Schwarzmeer-Einheitsschiffe SME 1 - SME 12 der Deutschen Kriegsmarine: Konzept, Einsatz und Verbleib.“ (Softcover, 12,- Euro, 116 Seiten, DIN A5 quer, durchgehend S/W-Abbildungen).
Das auch Marineexperten kaum bekannte Serienbauprogramm der Schwarzmeer-Einheitsschiffe (SME) geht in seinen Wurzeln auf das Jahr 1942 zurück und wurde parallel zum laufenden Programm der Kriegstransporter (KT) gestartet. Der Bedarf an Frachtschiffen im Schwarzen Meer war 1942/43 hoch, die deutschen Nachschublinien per Bahn im Küstenbereich waren hoffnungslos überfordert, Schiffsverluste konnten nicht ausgeglichen werden.
Der Bauplan der SME stammte von der Werft D.W. Kremer Sohn in Elmshorn bei Hamburg, die auf Küstenmotorschiffe spezialisiert war. Wichtigste Werft bei der Bauausführung war die Schiffswerft in Korneuburg an der Donau. Insgesamt 12 SME-Baunummern wurden vergeben, keines der Schiffe wurde vor Kriegsende fertiggestellt. Mit dem Verlust des Zugangs zur Schwarzmeerküste im August 1944, nach dem Umschwenken von Rumänien und Bulgarien, verlor das Programm seine Grundlage, die Schiffe wurden auf der Donau stillgelegt.
Alle 12 Schiffe kamen nach dem Zweiten Weltkrieg für die Sowjetunion bzw. Rumänien in Fahrt. Ihr vorwiegendes Fahrgebiet war in den Nachkriegsjahren dann tatsächlich das Schwarze Meer, die modernen Schiffe waren z.T. bis in die 1970-er Jahre im Einsatz. Auch eine Serie von Motorfrachtschiffen, die in den 1950-er Jahren in Budapest gebaut wurde, dürfte grundsätzlich auf den Bauplänen der SME beruhen.
Die Aufmachung des Buches ist ganz an mein KT-Buch angelehnt, es enthält auch eine Kurzfassung in englischer Sprache.
Ich hoffe, ein paar wirklich hartgesottene Shiplover hier im Forum wird auch dieses extrem ausgefallene Thema interessieren.
Mit besten Grüßen aus Österreich,
Asahi.3 (Wilhelm M. Donko)

https://www.amazon.de/Die-Schwarzmeer-Einheitsschiffe-SME-Deutschen-Kriegsmarine/dp/384429919X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1464256606&sr=8-1&keywords=donko+sme


Offline Darius

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Hallo Asahi.3,

werde mir das Büchlein mal auf die Liste setzen.

 :MG:

Darius

Offline Asahi.3

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Danke Darius  :-)

Online Peter K.

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Das Buch ist heute bei mir angekommen und es schließt, ebenso wie das KT-Buch des Autors, eine Lücke in der martimen Literatur. Besonders bemerkenswert fand ich beim Durchblättern den abgedruckten Generalplan dieses Schiffstyps, aber auch einige interessante Luftaufnahmen der Korneuburger Schiffswerft.
 :MG:
Grüße aus Österreich
Peter K.

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Offline MarkusL

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Hallo,
habe das Buch heute erhalten.
Schön, dass sich ein versierter Autor diesem "Kleinschiffthema" widmet. Dazu, unter Berücksichtigung der unglaublichen Recherchearbeit die hinter einem solchen Thema steht, sehr preiswert. Dazu als "Beigabe" nicht nur die Luftbilder der Werft in Korneuburg sondern auch der Werftplan. Plus Auszug aus der Originalbautenliste. Da wünsche ich mir eine so fundierte Veröffentlichung zur Werftgeschichte. Gerne auch gleich zusammen mit der Linzer "Schwesterwerft".
Gruß
Markus

Offline Asahi.3

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Freut mich, dass Dir das Buch gefällt, danke für die freundliche Beschreibung!

Offline MarkusL

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Hallo,
das Buch hat, wie auch der in der dankenswert 2. erw. Auflage erschienene KT Band, eine echte Lücke in meinem "Wunschzettel" geschlossen. Dazu die, sicher erstveröffentlichten, Luftbilder der Werft Korneuburg. Zusammen mit Linz die produktivsten "deutschen" Schwarzmeerwerften.
Sehr obskur immer noch die Rolle der kleinen Kremer-Werft in Elmshorn, fast am anderen Ende des "Reiches", als "Sektionsbauwerft".
Da fällt mir, reines Bauchgefühl, nur als Erklärung "Zufallsauswahl mit freier Kapazität" ein. Die schiffbauliche Kapazität von Korneuburg für den Bau derartiger, echter, Hochseeschiffe dürfte sehr begrenzt gewesen sein und kaum der erweiterten Hellgenkapazität entsprochen haben.
Wirklich schönes Buch top
Herzlicher Gruß
Markus

Online Peter K.

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Die Werft Korneuburg ist im "Interpretation Report No. S. 114" vom 27.01.1945, der auch im genannten Buch auf Seite 68 erwähnt wird und aus dem der auf Seite 69 abgedruckte Werftplan stammt, recht gut beschrieben. Nach dem Anschluß 1938 wurde die Hellgenkapazität durch vier neue Hellinge mit je drei Stapelplätzen auf der sogenannten Werftinsel bis etwa 1940 praktisch verdreifacht, 1941 folgte eine neue Schiffbauhalle mit 100 m Länge. Heute sind von diesen Hellingen nur noch Teile zu erahnen, aber die alte, stadtseitige Hellgenanlage ist samt Kran noch immer vorhanden.
Weitere Details zur Korneuburger Werft sind zu finden in:
Franz PISECKY, 150 Jahre Eisenschiffbau an der österreichischen Donau, ISBN 3-85320-510-0
Franz DOSCH, Donauwerften mit Geschichte, ISBN 978-3-86680-886-7
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Offline MarkusL

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Hallo,
beide genannten Bände sind schön bebildert und insbesondere das Pisecky-Buch eine tolle schiffbaugeschichtliche Arbeit.
Schöne Bilder finden sich auch im Band "Korneuburg 1890 - 1960". Dazu, quasi als "Abgesang" auf den Standort, das Bändchen "Wir ÖSWAG" von 1992.
Leider bringt keiner der Autoren echte "Bautenlisten". Für 1939 bis 1945 gibt das gute alte "Strandgut" einen schönen Überblick, der allerdings nicht die Tiefe des im SME wiedergegebenen Auszuges hat.
Hatte immer gehofft, dass eine "Gesamtliste Korneuburg", ebenso wie "Linz", irgendwann einmal den Weg in eine Publikation, die ich mit Freude erwerben würde, findet.
Gruß
Markus

Online Peter K.

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Zitat
Hatte immer gehofft, dass eine "Gesamtliste Korneuburg", ebenso wie "Linz", irgendwann einmal den Weg in eine Publikation, die ich mit Freude erwerben würde, findet.

Da stimme ich dir gerne zu, glaube mich aber zu erinnern, dass zumindest von Korneuburg in einem alten "Marine - Gestern, Heute" - Heft eine Teil-Bauliste veröffentlicht worden ist.
Grüße aus Österreich
Peter K.

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Offline Asahi.3

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Interessant, habe bisher in „Marine-gestern, heute“ nicht gesehen; ich habe viele, aber nicht alle Ausgaben. Ich habe die Listen jedenfalls vom stets hilfsbereiten Fritz Marschner erhalten, den Du auch kennst.

Offline MarkusL

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Hallo,
für "Marine, gestern, heute" konnte ich finden:
"Die Baunummern der Schiffswerft Korneuburg" von Helmut Pemsel in Heft 1, 1985,  kommt einer "Bautenliste" recht nahe.
Sowie "Schifffahrt und Schiffbau an der Donau im Zweiten Weltkrieg" von Herbert Winkler, Heft 3, 1988. Zu den SME der Kremer (dort Krämer) Werft die mutige Angabe "Die bei Hamburg gebauten Schiffe kamen noch im April 1945 zerlegt an die Donau, bei Kriegsende zwei Einheiten in der Nähe von Dürnstein versenkt."
Halte ich für sehr gewagt, allenfalls April 1944, wäre dann Baubeginn in Elmshorn 1943, für denkbar.
Gruß
Markus

Online Peter K.

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Zitat
"Die Baunummern der Schiffswerft Korneuburg" von Helmut Pemsel in Heft 1, 1985,  kommt einer "Bautenliste" recht nahe.
Dazu schreibt der inzwischen leider schon verstorbene Helmut PEMSEL:
Leider sind die Baunummern 1 bis 276 nicht mehr vorhanden, erst ab der Nummer 277, das ist von 1927 bis heute, sind die Nummern lückenlos erhalten.
Die Liste bringt neben der Baunummer, das Baujahr, den Schiffstyp, den Namen, den Auftragsgeber und an technischen Daten die Länge und teilweise die Antriebsleistung in PSi und die Gerschwindigkeit in km/h.
Dazu PEMSEL:
Die technischen Angaben waren allerdings schwer zu vereinheitlichen und sind auch nicht immer überliefert. Es wurden daher nur die wichtigsten Angaben aufgelistet.
Grüße aus Österreich
Peter K.

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Offline Asahi.3

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Markus und Peter, danke für Eure komplementären Nachforschungen. Die Information, dass die SME aus Elmshorn noch vor Kriegsende an die Donau kamen, stammt grundsätzlich aus Gröner, Band 7, S. 141.
 
Gröner schreibt: „1944/45 zerlegt zur Donau überführt“, im Stadtarchiv Elmshorn (Werftunterlagen), die Gröner ziemlich sicher vorlagen (er erwähnt nämlich ähnliche Details) heißt es: „1945 zerlegt in den Donauraum überführt“ und bei Herbert Winkler in „Marine – gestern, heute“, Heft 3, 1988, S.123 heißt es: „kamen noch im April 1945 zerlegt an die Donau, bei Kriegsende zwei Einheiten in der Nähe von Dürnstein versenkt.". Diese beiden Versenkungsangaben findet man auch bei Gröner (a.a.O) als „5.45 2 Einheiten unfertig (†) Donau km 2007,7 Rossatz“. (Rossatz liegt direkt gegenüber von Dürnstein). In Summe glaube ich, dass alle Informationen zur Überstellung an die Donau auf der Quelle des Wirtschaftsarchivs Elmshorn beruhen, die Gröner zur Verfügung stand.

Ich persönlich bezweifle aber sehr die inhaltliche Richtigkeit dieser Quelle, konkret bezweifle ich, dass die vier SME nach dem August 1944 wirklich zerlegt an die Donau überführt wurden (den April 1945 schließe ich völlig aus). Während das Schicksal der acht in Korneuburg gebauten Schiffe nachvollziehbar ist, gibt es keinerlei Hinweise auf den weiteren Verbleib der vier Elmshorner SME. Sie wären nach Kriegsende irgendwo an der Donau „aufgetaucht“, wenn sie wirklich hier gewesen wären. Archivmäßig belegen kann ich das aber nicht. Meine persönlichen Zweifel an der Überstellung an die Donau habe ich in meinem Buch S. 73ff auch klar geäußert.

Eine Information, die Gröner nicht hatte, war, dass der Reiko See 1944 entschied, dass die beiden in Korneuburg fast fertigen Motorschiffe SPESSART und TAUNUS (SME 2 und 7) von der Reederei Schiffahrt GmbH Hamburg noch übernommen werden sollten (am 22.11.1944) und nachfolgend sogar noch in das „Seeschiffsregister auf den Namen des Reiches vertreten durch den Reichskommissar für die Seeschiffahrt“ eingetragen wurden. Eine skurrile Sache, aber zumindest interessant.

Abschließend noch ein Hinweis auf einen Druckfehler, für den ich eigentlich nichts kann. Aus mir nicht verständlichen Gründen hat die EDV des Verlages das Sonderzeichen „č“ nicht erkannt und einfach ausgelassen, obwohl es noch bei meinem Probedruck (1 Stück) zwei Wochen davor problemlos erkannt worden war! So wurde aus ex-SME 1 „Pečora“ leider die „Pe ora“ (S. 87 und S.106). Ich ersuche daher die Besitzer des Buches, das Zeichen „č“ einfach per Hand einzufügen. Pečora ist ein russischer Fluss, ich werde künftig für russische Namen aber verstärkt die deutsche Transkription verwenden, also einfach „Petschora“, damit solche Fehler nicht passieren können.

MbG, Asahi.3

Offline TD

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Hallo Markus,


als kleine Info kann ich dir mitteilen dass z. B. für die Schiffswerft Linz eine Bauliste für die Kriegszeit teilweise mit dreifacher Belegung der Baunummern praktisch fertig ist.
Renato hat noch einige seiner guten Berichte zur Werft in Arbeit und ich habe die Bauliste der Werft praktisch fertig.
Bei der Linzer Werft ist ja das Problem Neubau und Zusammenbau sehr groß.
Viele der als Neubauten aufgeführten Schiffe wurden z.B. in den Niederlanden schon zu Wasser gelassen und später wieder auseinander genommen nach Linz überführt und dort wieder zusammen gebaut.
So habe ich etliche MFP streichen müssen welche angeblich in Linz erbaut wurden.
Durch die Auswertung der Geschäftsberichte, Baumeldungen usw. konnte ich die mit Neubaunummern erbauten Schiffe genau festlege und, wie unten etwas zu sehen ist, viele Daten wie Bestellung, Kiellegung, Stapellauf, Ablieferung usw. sammeln.
Die genaue Ausarbeitung der Zusammenbauten in Linz ist noch nicht fertig, vielleicht werde ich Neubauten und Zusammenbau in verschiedene Arbeiten teilen.
Für die ganzen Donauwerften sind ähnliche Schiffslisten und Material hier vorhanden, besonders die Schiffswerft Korneuburg ist mit Unterlagen so gut wie Linz vertreten.
Viel Material ist auch schon von etlichen alten Donaukapitänen gesammelt worden und ich kann nur hoffen alles im PC zu bekommen.

Gruß

Theo



...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !