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Autor Thema: ASA-Datensatz: 12402a  (Gelesen 770 mal)

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ASA-Datensatz: 12402a
« am: 05 Dezember 2014, 12:33:21 »
:asa: http://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/asa/ausgabe.php?where_value=1679

Angreifer und genaue Umstände der Versenkung gerieten Ende der 80er Jahre durch eine Studie des französischen Historikers Albert Finkelstein noch einmal in die Diskussion. Finkelstein war überzeugt, dass 2 deutsche Überwasserfahrzeuge, wahrscheinlich zusätzlich ein deutsches Unterseeboot, die Mefkure versenkt und die Schiffbrüchigen beschossen hätten. Ich möchte in komprimierter Form darstellen, wie Rohwer auf den Angreifer SC-215 kam, und weshalb seine Identifizierung in Frage gestellt wurde. Wenn Interesse besteht, kann ich Finkelsteins Argumente gerne näher erläutern oder auch weitere Lektürehinweise (Links) nachliefern.

Am 3. August 1944 gegen 20.30 Uhr verließ ein Konvoi von drei kleinen alten Handelsschiffen, gechartert von der jüdischen Fluchtlingsorganisation Ay-Beth und überfüllt mit rund 1000 jüdischen Flüchtlingen, den rumänischen Hafen Konstanza. Die deutschen Marinebehörden erteilten die Anweisung, dass  die Morina mit 308 Passagieren das Geleit anführen sollte, gefolgt von der Bulbul mit 390 Menschen, und schließlich von der Mefkure mit 320 Flüchtlingen an Bord (die genaue Anzahl kann etwas abweichen). Die Schiffe wurden angewiesen, sich von Position 43°43'N 29°08'E aus exakt südwärts zu halten, dieser Kurs führte sie direkt in den Bosporus. Bewaffnete Schiffe der rumänischen Marine eskortierte den Konvoi aus dem Hafen und durch die verminten Gewässer davor.

Am 5. August 1944 etwa 40 Minuten nach Mitternacht befand sich die  Mefkure etwa 25 Meilen nordöstlich von İğneada in der Türkei, als sie von Raketen eines unbekannten Schiffes getroffen und beleuchtet wurde. Mefkure gab aber kein Erkennungssignal, sondern setzte ihre Fahrt fort. In der gleichen Nacht, um 2.00 Uhr, empfing die deutsche Radarstation am Kap Pomorie im Golf von Burgas ein Funksignal des sowjetischen Unterseebootes SC-215  aus einem Winkel von 116 Grad. "Der Verlauf dieses Signals querte den Kurs der  Mefkure und der zwei anderen türkischen Schiffe fast genau an der Stelle, an der die  Mefkure in dieser Nacht versenkt wurde." Der deutsche Historiker Jürgen Rohwer identifizierte so SC-215 als das Schiff, das die Mefkure angegriffen hatte. SC-215 feuerte 90 Schuss aus dem 45-mm-Geschütz und 650 Schuss mit dem 7,62-mm-Maschinengewehr. Mefkure fing Feuer und sank. Ihr Kapitän, Kazım Turan, und sechs Mann seiner Crew entkamen in einem Rettungsboot aber nur fünf Flüchtlinge überlebten. Sie wurden von der Bulbul am Morgen gegen 4.45 Uhr mit ihrem Boot aufgenommen und gerettet.

Am 30. Juli 1944 war das Unterseeboot SC-215, unter dem Kommando von Kapitän 3. Ranges, A.I. Strizhak, von Batum ins Operationsgebiet vor Burgas ausgelaufen. Das Boot meldete in der Nacht zum 5. August die Versenkung eines großen Schoners mit etwa 200 bewaffneten Männern an Bord, die den Angriff mit Gewehren und Maschinenpistolen erwiderten, und zusätzlich die Versenkung einer "barkas", möglicherweise ein Rettungsboot. SC-215 führte den Angriff in Position 42°00'N 28°42'E, in einer Entfernung von 19 Seemeilen westlich des für die Mefkure angeordneten Kurses.

Vierzehn Tage nach dem Untergang behauptete die Nachrichtenagentur JTA in einem Bericht, dass drei deutsche Überwasserfahrzeuge die Mefkure angegriffen und versenkt hatten. Im selben Bericht wird festgehalten, dass auch die Bulbul angehalten worden war, aber nach ihrer Identifizierung weiterfahren durfte. Bulbul erreichte İğneada, von dort aus setzten die Flüchtlinge und Überlebenden ihre Reise auf Straße und Schiene nach Istanbul fort. Auch die Morina erreichte die Türkei. Die Flüchtlinge aus beiden Schiffen erreichten schließlich über Land ihr Ziel Palästina.

Auf englisch: http://en.wikipedia.org/wiki/MV_Mefk%C3%BCre
« Letzte Änderung: 05 Dezember 2014, 12:55:24 von TW »

Offline TW

  • Kapitän zur See
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  • Beiträge: 1759
Re: ASA-Datensatz: 12402a
« Antwort #1 am: 09 Dezember 2014, 17:34:25 »
:asa: http://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/asa/ausgabe.php?where_value=1679
Versenkung der MEFKURE

[Angreifer und genaue Umstände der Versenkung gerieten Ende der 80er Jahre durch eine Studie des französischen Historikers Albert Finkelstein noch einmal in die Diskussion. Finkelstein war überzeugt, dass 2 deutsche Überwasserfahrzeuge, wahrscheinlich zusätzlich ein deutsches Unterseeboot, die Mefkure versenkt und die Schiffbrüchigen beschossen hätten.

Vierzehn Tage nach dem Untergang behauptete die Nachrichtenagentur JTA in einem Bericht, dass drei deutsche Überwasserfahrzeuge die Mefkure angegriffen und versenkt hatten.

In seiner Dokumentation schreibt Finkelstein (auf englisch):
"[Rohwer] legt in seiner Untersuchung (S.108) dar, dass zwischen dem 2. und 11. August vier Räumboote von Konstanza nach dem Bosporus unterwegs waren, um den deutschen Transporter JOHANNA nach Burgas zu begleiten."

Nun war JOHANNA kein Schoner und wurde auch nicht von SC-215 versenkt. Sie wurde laut AvE am 11.8. von Burgas nach Varna verbracht. (siehe http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,7086.msg86739.html#msg86739

Mich interessiert, wo die Räumboote am Tage des Überfalls auf MEFKURE gewesen sind. Dass laut Finkelstein außerdem ein deutsches U-Boot im Spiel war, dem ein wahrheitsgemäßer Eintrag ins KTB verboten wurde, wäre zwar denkbar, hat es mehrfach gegeben, wäre einigen U-Booten auch zeitlich möglich gewesen, ist aber nicht zu beweisen.

Dagegen kann ich mir nicht vorstellen, dass SC-215 ein deutsches Geleit angegriffen haben soll, ohne dass in den verschiedenen KTBs irgendwas darüber mitgeteilt wurde.

Bei allem Mitgefühl für die Überlebenden der MEFKURE, die ja ganz schreckliche Stunden erlebt haben, zweifle ich doch sehr an ihrer Darstellung, dass Hunde ins Wasser gesprungen seien, die ihnen die Kehle durchbeißen sollten, dass sie deutsche Stimmen gehört haben, die sie zur Hölle wünschten. Das sind m.E. traumatische Vorstellungen, die sich wie Erinnerungen in die Köpfe setzen.

Dennoch will ich nichts unversucht lassen, weitere Klarheit in die Ereignisse vom 5 August 1944 zu bringen, zumal sich unsere  Quellenkenntnis in den letzten 25 Jahren erheblich verbessert hat.

Offline Darius

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Re: ASA-Datensatz: 12402a
« Antwort #2 am: 27 Juli 2016, 23:30:52 »
Hallo TW,

auf der Suche nach einer geeigneten Stelle zu den Angaben zur "JOHANNA" aus dem KTB Skl entschied ich mich, diese hier abzulegen.
Wenn diese nicht so passen, bitte verschieben o.ä.

Danke &  :MG:

Darius

29.07.1944
1/Skl unterrichtet Oberbefehlshaber Mar. Gruppe Süd, daß laut zuverlässiger Nachricht türkische Nationalversammlung am 2/8. Abbruch wirtschaftlicher und diplomatischer Beziehungen zu Deutschland auf Vorschlag türkischer Regierung beschließen wird. Empfänger erhält Weisung, Kenntnis dieser Nachricht auf engsten Kreis zu beschränken und Nachricht auch nicht an deutschen Gesandten Sofia oder Mar.Att. Istanbul weiterzuleiten, sowie nach außen auffällige Maßnahmen zu vermeiden. Noch mögliche Schiffsbewegungen sollen jedoch durchgeführt werden. (s.D. „Johanna“ in Istanbul) Türkei darf aber hierdurch keinesfalls Handhabe für Abbruch gewinnen. Militärische Maßnahmen kommen nicht in Frage.

30.07.1944
Am 30. 0600 Uhr sind 4 R-Boote von Konstanza zur Aufnahme Dampfer „Johanna“ mit Kupferladung zum Bosporus ausgelaufen. Boote wurden abends zurückgerufen, da Dampfer von Gruppe Süd nach Ägäis umdisponiert ist.

31.07.1944
Betr. Türkei: Gruppe Süd übermittelt Meldung Mar.Att. Istambul, der persönlich Abbruch der Beziehungen noch nicht für sicher, aber für sehr wahrscheinlich hält. Lage hat Attaché veranlaßt, D. „Johanna“ möglichst bald aus Türkei zu entfernen. Bei Ausklarierung des Schiffes am 30/7. entstanden wider Erwarten Schwierigkeiten, da angeblich Auslauferlebnis aus Ankara noch nicht vorliegt. Botschaft ist um Intervention gebeten. Gruppe Süd meldet dazu Absicht, „Johanna“ nach Ägäis durchzuziehen.

01.08.1944
Zu Absicht Gruppe Süd, D. „Johanna“ nach Ägäis durchzuziehen, befiehlt Ob.d.M., Gruppe Süd fernmüntlich auf Gefährdung des Schiffes mit der wertvollen Kupferladung in Ägäis hinzuweisen und Weisung zu erteilen, das Schiff in Schwarzes Meer auslaufen zu lassen.
Entsprechendes Fernschreiben wurde von Chef/Skl. mit Ob. Gruppe Süd geführt.

02.08.1944
23.00 Uhr sind 4 R-Boote aus Konstanza zum Bosporus zur Aufnahme von „Johanna“ ausgelaufen.

09.08.1944
Am 9/8. vorm. ist D. „Johanna“ im Geleit von 4 R-Booten vom Bosporus kommend in Birgas [müsste wohl Burgas heißen] eingelaufen.

11.08.1944
Dampfer „Johanna“ hat von Burgas nach Varna verlegt.