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Autor Thema: Die "unüberwindbare" Panzerung  (Gelesen 7900 mal)

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Offline Huszar

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Die "unüberwindbare" Panzerung
« am: 01 September 2014, 15:44:29 »
Moin, Moin,

Da der Thread B-Schiff vs SoDak wieder hervorgekramt wurde, hab ich mir wieder einige Gedanken über eine wenn auch nicht "unüberwindbare", doch "ausreichende" Panzerung für ein Dickschiff gemacht.

Um die Sache bissl einzugrenzen, angenommen wird, dass es sich um ein deutsches Schiff handelt, die amerikanischen 16"-Superhevies spielen also keine  Rolle, und ein innenliegender, geneigter GP mit Zerschellerplatte kommt aus welchem Grund auch immer nicht in Frage.

Nun, was wäre gegen die möglichen, bekannten Gegner (Fr und GB, bzw die eigenen Kanonen) "ausreichend"?

Ich weiss, dass Okun nicht besonders gemocht wird, aber seine "Decaping Revisited" und "Durchschlagstabellen" sind so in etwa, was mir vorliegt. Habe den Thread eröffnet, um eine/mehrere differenzierte Meinung(en) - ev. mit anderer Berechnung - zu bekommen  :-D

Horizontalpanzerung
Laut Okun bräuchte ich ein Oberdeck von 55mm und eine ZP von 65mm, um die AP-Kappe einer 38cm wegzubekommen, 40mm Oberdeck würde dazu keinesfalls reichen, besser gesagt, nur dann, wenn wir den helblauen Teil seiner Graphik betrachten (absolutes Minimum wären 30,6mm). (Laut Delcyros wären 50 bzw 100mm gegen eine dt. Granate nötig)
Frage 1: wäre 55mm sinnvoll, auch in der Hinsicht, dass diese Dicke Kreuzerkaliber bis auf recht hohe Entfernungen abhalten kann, bzw kann das Wetterdeck auf ca. 32-35mm ausgedünnt werden?

Wenn wir trotzdem nur ein Haupt-PzDeck haben (das ein Deck höher liegen würde, als beim B-Schiff), das unter 30k yds (=ca 273hm) halten soll, bräuchte ich 160mm, was ich doch für zu viel halte. Mit einem dünnen Oberdeck und etwas geringerer Entfernung, sollten mM ca. 130mm, mit dem dickeren Oberdeck 110-120mm reichen.
Frage 2: egal, ob das Oberdeck dünn oder dick ist - bzw ob es überhaupt existiert - welche Dicke des Haupt-PzDecks sollte genommen werden? Eher die untere Grenze (also 110-130mm), oder zur Sicherheit etwas mehr (also 120-145mm), oder gleich das Maximum (etwa 160mm)?

Als drittes Deck würde ich ein Splitterdeck vorsehen, etwa dort, wo das B-Schiff sein HauptPzDeck hatte, mit ähnlicher Form (also recht flache Böschungen). Den horizontalen Teil würde ich so dünn halten, wie es nur geht, da nur Splitter abgefangen werden müssen. Blöder Weise finde ich die Berechnung von Okun nicht mehr - war in einem Forum dargestellt - ich wage mich aber an 0,07-0,1 Kaliberstärke zu erinnern, was bei 380mm 26,6-38mm bedeuten würde. Ohne die genaue Berechnugnsmethode kann ich aber leider die "nötige" Dicke nicht eingrenzen. (Laut Delcyros sind auf 5cal-Entfernung 0,0805Kal, in Kontaktnähe 0,115Kal Dicke, also 30,59 bzw 43,7mm nötig)
Frage 3:  hat jemand diese Berechnung zufällig zur Hand? Würden 25-30-35mm hier ausreichen?

Vertikalpanzerung:
wie schon gesagt, den Zitadellpanzer würde ich auf 65mm begrenzen wollen, wobei absolutes Minimum 31mm wären. 65mm hat aber den Vorteil, dass Kreuzerkaliber auf mittlere und grosse Entfernungen abgehalten wird.
Frage 4: sollte man sich auf das Minimum begrenzen (31mm), oder auf der sicheren Seite (65mm -> 100mm) bleiben?

Den Haupt-GP kann man mM - wenn keine vorgelegte Zerschellerplatte existiert - nicht komplett sicher gegen Grosskaliber machen, auch bei 18k yds (=ca. 164hm) bräuchte man 432-457mm, wenn es sich um eine senkrechte Soloplatte handelt. Bin nicht wirklich gut bei Geometrie, nehme aber an, dass wenn die Platte um 10°-15° geneigt wird, dahinter noch etwas ist, und sowieso etwas Lage beim Gefecht drinn ist, etwa 350mm ausreichen würden.
Frage 5: würden diese 350mm ausreichen, um auf realisitschen Entfernungen Schutz zu bieten, bzw würden auch weniger reichen, bzw wären mehr nötig?

Bei anderen Schlachtschiffen hat es mich immer gestört, dass hinter dem GP rein garnix liegt, wenn die Granate also durch den GP geht, es zwangsläufig in den Vitalia ist. Auch deswegen würde ich die B-Schiff-Böschung behalten, auch wenn dieser dünner ausfallen würde. 110mm Böschung für ein Splitterdeck sind aber doch übertrieben. Allerdings bin ich mir unsicher, welche Dicke "ausreichend" gegen eine stark verlangsamte 38cm-Granate ohne Kappe wäre. Nach Bauchgefühl ginge es nicht unter 50mm, aber in der Grössenordnung von 65-75mm sollte es gehen.
Frage 6: was ist die Einschätzung zur nötigen Dicke? Reichen diese 65-75mm, oder müsste man weiter nach Oben?

Zusätzlich zum GP würde ich noch zwei Splittelängsschotts einbauen, jeweils etwa auf 1/3 der Schiffsbreite, durchgängig zwischen Splitter- und Oberdeck. Teilweise sollen diese die Zerstörungswirkung begrenzen, andererseits auch den Flugbahn der Granaten beeinträchitgen. Da für die Bestimmung der Dicke wiederum die Formel von Okun nötig wäre, die ich aber nicht finde, ich aber nicht unbedingt viel Gewicht einbauen möchte, würde ich 35-40mm als "ausreichend" bezeichnen. (eventuell etwas weniger unter dem HauptPzDeck.)
Frage 7: werden solche Längsschotte für nötig/brauchbar gehalten, bzw was ist die Meinung zur Dicke (ev. unter Berücksichtigung der Okun-Formel für Splitter)

Bei den Barbetten gehen leider keine Tricks mit gestaffelter Panzerung uÄ, wir haben da höchstens einen zusätzlichen Schutz wegen der Kreisförmigkeit. Sie müssen also stark genug sein, um einen direkten Treffer auszuhalten. Leider habe ich keine Ahnung, welchen zusätzlichen Schutz die Kreisförmigkeit bieten würde, meine aber, dass 405mm für den freistehenden Teil, 305mm für den Teil zwischen Ober- und PzDeck, sowie 100mm für den Teil zwischen Pz- und Splitterdeck ausreichend wären (Bauchgefühl!)
Frage 8: würden diese Dicken - und im Vergleich zu realen Schiffen - ausreichen, könnte man sie weiter senken, oder bräuchte man mehr?

Als wir die Diskussion über die verschiedenen Turmformen hatten, bekam ich das Gefühl, dass die schweren Turmpanzer Überbleibsel aus dem 1wk sind, wo auch die AP-Granaten kaum Panzer durchschlagen konnten. Auch wenn Grosskaliber nicht durch die Panzerung kommen, werden sie mM doch einiges im Innenraum kaputtmachen, und den Turm ausser Gefecht setzen/die Bedienung erschweren. Die grundsätzliche Frage wäre, ob das Gewicht für die überschwere Turmpanzerung nicht anderswo nutzbringender untergebracht werden könnte, bzw welche Plattenstärken das absolute Minimum darstellen würden, bei denen die Türme noch einsatzbereit gehalten werden können.
Frage 9: könnten die Turmpanzerungen nur gegen 8" sicher gemacht werden, oder sollte man eher versuchen, die Panzerung gegen 38cm auszulegen?

Frage 10: wäre ein solches, angedachtes Schema überhaupt zu verkaufen/sinnvoll?

Meinungen zu den einzelnen Punkten?


mfg

alex
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Offline Thoddy

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #1 am: 01 September 2014, 15:58:03 »
Chart für erforderliche Panzerdicken vs Splitter verschiedener Grantkaliber und Projektiltypen nach Sprengversuchen der Kriegsmarine



zu 3

hinsichtlich der Dicke einer Vor-Platte zum sicheren Entkappen und deren Abstand vor dem Hauptpanzer verweise ich auf folgende Ausführungen und Zeichnung
Der Creator der Kruppformel empflieht mindestens 20% Kaliber-Blechstärke in Flugrichtung
empfohlene dicke bei senkrechtem Aufschlag 100 mm dies gilt selbstverständlich für deutsche Granaten. (Für amerikanische Großkaliber wurden z.B. keine Tests durchgeführt. Lediglich für  (soweit erinnerlich 57 mm und 75 mm) wurden Tests amerikanischer panzerbrechender Geschosse durchgeführt. Für die US Projektile wurde eine notwendige Dicke von ca 8% des Kalibers zum Entkappen festgestellt. Wie Nathan Okun aus diesen Daten die amerikanischen Geschosse auf deutsches Niveau gebracht hat, ist für mich nicht nachvollziehbar, jedenfalls gibt es keine verfügbare Quelle, die das hergibt und er nennt auch keine, die seine Berechnung für US Geschosse belegen könnte. Die von ihm als zitatfähig herangezogenen Daten belegen jedenfalls die 8%.

Schaut man auf die zweite Zeichnung erkennt man bemerkenswerte Ähnlichkeiten zum italienischen System


zu 2Die Schutzwirkung der deutschen Decksanordnung beruht zu einem guten Teil auf dem Abstand der Decks. Penetrationsmindernde Auslenkungen der Geschoßachse zur Flugrichtung benötigen etwas Zeit, um sich zu entwickeln. Im Fall der deutschen Anordnung führt das soweit, dass das angreifende Geschoß eine solche Steilstellung gegenüber dem Hauptpanzerdeck erfährt, dass es nicht abgleitet(Abpraller), sondern einen Überschlag(Topple) vollführt. Dies erfordert jedoch, dass das Projektil einen Bereich der Steilstellung durchläuft, der sogar den Durchschlag mit geringerer Geschwindigkeit ermöglicht. Wenn also die Panzeprlatten zu dicht hintereinander folgen, kann es sein dass, die effektive Dicke sehr deutlich gemindert ist.

Amerikanische Forschung bestätigt, daß eine entsprechende Gestaltung aufeinanderfolgfender homogener Panzerplatten bis zu 30% mehr effektive Dicke bieten kann, als eine einzelne Platte gleicher Dicke. Ich habe hier kann betont, da durch Änderung der Projektilgeometrie trotzdem Durchschläge möglich sind.

Es gibt kappenlose Geschoßtypen, die mit deutlich geringerer Geschwindigkeit durch eine geteillte Decksanordnung durchkommen, "dummerweise" versagen sie gegen oberflächengehärtete Panzertypen und im Bereich von ca 80° bis 55° Auftreffwinkel(90° senkrecht zur Platte) gegen dicke homogene Panzerungen.
Zur veranschaulichung folgende Zeichnung (gefährdeter Bereich rot schraffiert) in engischer Literatur als shatter gap bezeichnet.




Eine Änderung der Projektilgeometrie (hier zu lasten der Durchschlagsfähigkeit) wird erst mal grundsätzlich durch den Kappenabschlag durchgeführt. Für britische 15" APC führt allein das zu einer Erhöhung der notwendigen Durchschlaggeschwindigkeit von ca 15% (eher etwas mehr) gegen vergleichsweise dünne Panzerplatten(<30% Geschoßkaliber).

« Letzte Änderung: 01 September 2014, 18:46:00 von Thoddy »
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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #2 am: 01 September 2014, 18:19:17 »
Wo ist denn der Kritikpunkt gegen das original Schema von BS/TP?

Wir wissen das eine 14er von PoW, den Gürtel unterschossen hat. Ansonsten sieht es doch nach Ballard so aus, dass keine Granate in die Vitalien gekommen ist. Immehin auch keine 16er.

Allerdings stellt sich die Frage nach der Barbetten-, Turm-, Kommandoturm-Panzerung, hier hat die 16er von Rodney richtig gewütet. Kommmandoturm durchschlagen und Barbetten durchschlagen, Türme ist nicht nachvollziehbar. Insoweit erscheint mir das originale Panzerschema durchaus gelungen.

Die Frage ist halt, bei welcher Entfernung wurden Barbetten und Kommandoturm durchschlagen, müßte dort nachgearbeitet werden.
Viele Grüße

Carsten

Offline Thoddy

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #3 am: 01 September 2014, 19:06:17 »
Genau mit wieviel zusätzlichem Gewicht erkauft man zusätzlichen Schutz für die Ari, oder sind evtl dickere Panzerplatten nur Augenauswischerei, da die Qualtät leidet, je dicker die Panzerplatten werden. Es müssen sowohl Minderungen in der Festigkeit als auch Minderungen bei der Verformungsfähigkeit hingenommen werden. Die Resultate amerikanischer Beschußtests deutscher KCnA Platten im Vergleich zu amerikanischen Class A Platten legen jedenfalls die Vermutung nahe, das eine solche Minderung der ballistischen Qualität für amerikanische Platten bereits ab ca 250 mm Stärke erkennbar ist. Inwieweit jedoch aus den wenigen Tests statistisch aussagefähige vergleichende Informationen zum Vergleich der generellen Qualität deutscher und amerikanischer Platten treffen lassen ist recht schwierig zu beurteilen. Jedenfalls hatten 2 der deutschen Platten ballistische Limite die 5 bzw 7% über den Bestwerten, aller bis zu dem Zeitpunkt jemals beschossenen amerikanischen Platten, lagen.

im übrigen können jedoch auch nicht durchschlagende Geschosse Geschütz- und Kommandotürme durch Erschütterungsschaden oder Zerstörung von Sensoren zumindest zeitweise ausschalten.
« Letzte Änderung: 01 September 2014, 19:13:27 von Thoddy »
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Offline Thoddy

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #4 am: 01 September 2014, 19:26:05 »
zum Splitterdeck unter dem Hauptpanzerdeck.
Meines Erachtens ist es aus ballistischer Sicht günstiger, das Hauptpanzerdeck in der gesamt Stärke aus Panzerdeck und Splitterdeck auszuführen, da der generelle Schutz gegen durchschlagende Geschosse erhöht wird.
20 mm mehr plattenstärke bringen ggf. einige km mehr absoluten Schutz. wenn jedoch ein Projektil der SA durch das dünnere Hauptpanzerdeck auf kürzerer Entfernung durchkommt ist ein 20 mm platte dahinter faktisch wertlos, egal ob mit Kappe oder ohne.
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Offline torpedo mixer

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #5 am: 01 September 2014, 20:20:24 »
Alex,

a) kann ich da nicht mitreden...
b) wie schwer wird das Schiff. Du kannst den ZP eindünnen, der Rest wird aber fett mehr wiegen. Also müßte man das Gewicht durch kurze Zitadelle sparen.

Wenn man b) nicht umsetzt dann haben wir eine "ideale" Anordnung die aber zu viel wiegt - HURRA !!!

Oder ? :-)

Gruß - Wastl

Offline Huszar

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #6 am: 01 September 2014, 21:45:37 »
Hallo, Thoddy,

Zitat
20 mm mehr plattenstärke bringen ggf. einige km mehr absoluten Schutz. wenn jedoch ein Projektil der SA durch das dünnere Hauptpanzerdeck auf kürzerer Entfernung durchkommt ist ein 20 mm platte dahinter faktisch wertlos, egal ob mit Kappe oder ohne.

meine Fragen zielten teilweise darauf hin. Mit all den Platten vor dem PzDeck sollte sicher gestellt werden, dass die Granate die Kappe verliert, und somit das Deck sicherer wird. Das Splitterdeck würde in diesem Fall zwei Aufgaben übernehmen:
a, Spengwirkung und Splitter bei einem teilweisen Deckdurchschlag aufhalten (ausser einem Blindgänger würde mM kein Geschoss das Splitterdeck intakt erreichen)
b, nach einem GP-Durchschlag - und gegen moderne Granaten kann man eine einzelne Platte kaum sicher machen! - noch eine zusätzliche Platte der Granate in den Weg stellen (und die eventuelle Detonation eindämmen)

Wenn man Splitterdeck und HauptPzDeck zusammenfassen will, und gleichzeitig auch einen GP-Durchschlag verhindern/erschweren will, müsste man das Deck dort und in der Form einbauen, wo das B-Schiff es hatte. Ein obenliegendes PzDeck kann unterschossen werden...


mfg

alex
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Offline delcyros

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #7 am: 01 September 2014, 22:48:21 »

Allerdings stellt sich die Frage nach der Barbetten-, Turm-, Kommandoturm-Panzerung, hier hat die 16er von Rodney richtig gewütet. Kommmandoturm durchschlagen und Barbetten durchschlagen, Türme ist nicht nachvollziehbar. Insoweit erscheint mir das originale Panzerschema durchaus gelungen.

Die Frage ist halt, bei welcher Entfernung wurden Barbetten und Kommandoturm durchschlagen, müßte dort nachgearbeitet werden.

Der Kommandoturm ist getroffen, aber im Bereich seiner Panzerung nicht durchschlagen worden. Zumindest sind auf den Bildern der Wrackuntersuchungen keine Durchschläge durch die Kommandoturmpanzerung festgestellt worden. Ausführliche Zerstörungen sind dagegen für die ungeschützten äußeren Bereiche der Brücke festgetstellt worden.
Die Beschußtests der SMS BADEN 1921 ergaben, dass nicht durchschlagende Treffer den Kommandoturm nur dann in seinen Funktionen erheblich beeinträchtigen, wenn entweder genug Material aus der Plattenrückseite heruasgestanzt wird oder die Plattformen mit dem Panzer verbunden sind. Bereits bei BADEN war schiffbaulich die Plattform festigkeitsmäßig von unten und seperat vom Panzer aufgebaut, entsprechend waren selbst bei 1550 fps 381mm APCBC Treffern, die den Kommandoturm nicht durchschlugen, keine wesentlichen Beeinträchtigungen der sensiblen Geräte innerhalb des Kommandoturms festgestellt worden.
ADM 186 notiert dazu:

Zitat
(d) The insignificant damage caused by round 15 to instruments inside the conning tower, which were mounted on plates built up from the deck and not in contact with the side of the tower, shows that this method of fitting instruments is entirely justified.

Diese Form des Festigkeitsmäßigen Aufbaus ist auch für Barbetten denkbar jedoch für Türme weitestgehend ausgeschlossen.

Online Matrose71

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #8 am: 01 September 2014, 23:05:45 »
Ich dachte Lindemann aund Lütjens sind beide im Kommandoturm ums Leben gekommen, als eine 40,6cm der Rodney durchschlagen hat. Bei einer der Unterwasserxpeditionen wird auch das Loch gezeigt und extra auf 350mm Stahl hingewiesen, oder verwechsel ich etwas?
Viele Grüße

Carsten

Offline Huszar

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #9 am: 02 September 2014, 08:12:19 »
Hallo,

aus der Damage Analysis:
Zitat
D.  Oblique video views indicate that the after port side of the forward conning tower was hit repeatedly.  As many as 25 shell and fragment holes are apparent in the field of vision.  There was a large hole punched into the 350-mm armor plate on the portside by several 14-inch shells from King George V before she ceased fire around 1014.  The number of penetrating hits, as opposed to surface-marring fragment splashes on the armor, cannot be conclusively determined, due to shadow effects and the oblique angles of view.  Mr. Statz, who viewed this damage from both the outside and inside, has indicated that the port side of the conning tower looked like "swiss cheese." The heavy armored door on the port side of the conning tower is missing from its frame and massive hinges and is lying on the deck of the wrecked bridge structure nearby.  This slab of armor may have somehow been entangled in adjacent damaged structure, finally coming to rest in an opening to an inclined ladder just aft of this position.  The presence of this door suggests that the capsizing of Bismarck may have been limited to less than 90 degrees.  Penetration of the 350-mm vertical armor of the conning tower armor was possible by Rodney and King George V, especially during the later stages of the action when the Bismarck was, to all intents and purposes, defenseless.

Zitat
Mr. Josef Statz and two shipmates escaped from the Damage Control Central, which was located at the base of the communications tube to the forward conning tower.  Statz and his companions climbed up this narrow 750mm diameter tube containing vital electrical and control cabling.  He made his ascent in a listing, rolling, and pitching ship.  When he arrived at the access hatch to the forward conning tower, the scene before him was one of utter and complete desolation.  All of the ship's control equipment was demolished and in two piles of rubble forward and aft of the hatch from which he was about to emerge.

The conning tower interior was wrecked and the deck creating the two-level interior structure had disappeared.  Light was streaming in from holes in the roof armor, where the forward rangefinders had been located, from the riddled port side armor, and from the forward end, where the deck had separated from the vertical 350mm armor.  Above all, the din of battle was deafening.  Just as he was about to emerge from the hatch into the conning tower, a 14 or 16-inch shell struck the outer surface of the 350mm vertical armor.

anhand der Zeichnung im dritten Teil bekam der Kommandoturm mindestens zwei Treffer (exkl. dem, der den vorderen E-Messer weggeschossen hat), ob die aber durchgeschlagen haben, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Trotzdem war der Turm komplett verwüstet...

mfg

alex
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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #10 am: 02 September 2014, 11:52:55 »
Ich dachte Lindemann aund Lütjens sind beide im Kommandoturm ums Leben gekommen, als eine 40,6cm der Rodney durchschlagen hat.
...snip...

Ich denke das ist eher eine (nicht unwahrscheinliche) Annahme als eine bewiesene Tatsache. Wann und wie genau die Schiffsführung ausgefallen ist, ist meines Wissens nach bisher ungeklärt.
Oder gibt es Quellen die das belegen? Mir sind keine bekannt...

Gruß Sebastian

Offline delcyros

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #11 am: 02 September 2014, 12:14:22 »
Der Kommandoturm wurde getroffen. Der gepanzerte Bereich auch, aber in den Videos und in den Photos vom Wrack sind keine -ich wiederhole- keine belastbaren Durchschläge zu attestieren.

https://www.youtube.com/watch?v=OmBeiEhvsYE

Was als "swiss cheese" bezeichnet wurde ist Splitterschaden in Verbindung mit Rostbildung von einem auf der Oberfläche des KC Panzers zu Bruch gegangenen Geschosses. Der Schaden ist außerhalb des vom Panzer gedeckten Kommandoturms. Die früheren Bilder vom Wrack hatten nicht das Kontrastvermögen der jüngsten und konnten bei Schlaglicht den Eindruck tiefer Löcher erzeugen.

Durchschläge sehen aus wie an den Barbetten.
« Letzte Änderung: 02 September 2014, 12:40:15 von delcyros »

Offline Huszar

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #12 am: 02 September 2014, 12:38:35 »
Hallo,

Wie erklärst du dann den Schrott und die Toten, die die Augenzeugen gesehen haben? Ehrliche Frage.

mfg

alex
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Offline delcyros

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #13 am: 02 September 2014, 12:44:33 »
Die Brücke hat einen ungeschützten und einen vom Panzer geschützten, inneren Bereich.
Die Brücke wurde total zerstört, dasselbe kann vom Kommandoturmpanzer nicht in selber Form behauptet werden. Augenzeugenberichte können durchaus die Verwüstung der Brücke wahrgenommen haben, daraus ergibt sich kein Gegensatz. Die Tatsache, dass sowohl obere als auch untere Panzertür im Wrack offen -und nicht geschlossen (wie bei einigen 15cm MA Türmen) sind- können als Hinweis darauf gewertet werden, dass Personal aus dem Inneren versucht hat den Panzerturm zu verlassen. Bill Jurens hat in seiner Analyse bei allen 15cm MA Türmen, deren Ausstiegsluken im Wrack geschlossen waren geschlussfolgert, dass niemand der Turmbesatzung überlebte. Analog dazu wäre im Zusammenhang mit dem Kommandoturm zu überlegen: Wären alle Insassen durch Durchschläge gestorben, dann hätte auch niemand versuchen können, diese Panzertüren zu öffnen.

https://www.youtube.com/watch?v=ORd0dktG1RI

https://www.youtube.com/watch?v=fP5EBhyNxTk
« Letzte Änderung: 02 September 2014, 12:57:25 von delcyros »

Offline Thoddy

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Re: Die "unüberwindbare" Panzerung
« Antwort #14 am: 02 September 2014, 13:59:23 »
Noch mals was zum Splitterdeck

britische und amerikanische Designs haben ihre Pulvermagazine teilweise sehr tief angeordnet

Um in die Magazine durch den Gürtelpanzer direkt zu treffen, sind sehr tiefe Einschläge im Gürtelpanzer erforderlich teilweise müssen die Projektile schon im Wasser einschlägen, um einen direkten Treffer zu landen

Für die Nelsons ergibt sich z.B. eine berücksichtigte "shut down" grenze von ca 13,5 km unterhalb der Projektile mit normalen Zünderlaufzeiten, nicht mehr in den Magazinen detonieren sollten.

In dem Fall erscheint ein Splitterdeck sinnvoll. Hier bieten sich insbesonder das Deck oberhalb der Pulverladungen bzw das erste Deck unter der Wasserlinie an.

Auf der anderen Seite könnten diese Magazinanordnungen gegen japanische  Tauchgrantaten überdurchschnittlich anfällig sein und die Nähe zum Schiffsboden könnte auch eine Rolle bei Torpedo/Minentreffern unterhalb des Schhiffsbodens  spielen.
Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden – und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert!
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