Bootstransporte der DKM im WK II durch den König-Ludwig-Kanal

Begonnen von TD, 02 Januar 2014, 22:25:27

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TD

Hallo Karsten,

feine Sache.

Hoffe das sich hier viele Meldungen einfinden.

Von mir erst einmal ein Fehnschiff, Lebenslauf zwar etwas überholt, aber ein Beispiel wie es einmal enden könnte.

MIMI

43 BRT 32 NRT  75 to 19,75 m - 4,30 m - 1,30 m

50 PS Deutz - Dieselmotor

1905 erbaut bei der Werft von J. F. Strenge & Sohn in Fünfhausen
für ....J. Stutz [?] als ......MARTIN [?] 

( eingetragen im Binnenschiffsregister Geestemünde Nr. 91 )

06.10.1911  Durch Johann Behrens, Brake für 28.000 Mark gekauft und in Brake eingetragen.
         .1927 Um 5 m verlängert und Einbau eines 20 PS Motors.
27.03.1940 Verchartert für monatlich 300 RM an den Schiffer Hinrich Kroog, Brake. Einsatz in der Sand- und    Kiesfahrt von der Oberweser zu verschiedenen Plätzen an der Unterweser.
18.07.1941  Kauf und Einbau eines 50 PS Deutz - Motors für 6218 RM.
02.12.1941   Auf der Oberweser durch Havarie gesunken.
.1942 Im Frühjahr gehoben und auf der Werft von Lühring repariert. Anschließend in die Baustofffahrt nach Norderney und Helgoland eingesetzt
19.10.1942 Vom Oberpräsidenten der Wasserstraßendirektion Münster, Wasserstraßenbevollmächtigter, für den Reichsverkehrsminister - Osteinsatz - in Anspruch genommen. Mit den Pächter H. Kroog nach Leer beordert, im Verband mit weiteren erfassten Binnenschiffen nach Emden gelaufen und dort vom Taxator Lührs bewertet. Durch die W.T.A.G., Dortmund, Zweigstelle Emden, übernommen und nach Schröttersberg / Weichsel überführt. Dort für den Weitertransport zum Dnjepr von der Organisation ,,Schiffstransport ostwärts" mit ca. 200 weiteren Schiffen übernommen .
.03.1943  Wegen zu geringen Schneeschmelzwassers und Sprengung einer Schleuse in Brest-Litorsk durch Partisanen wird die Überführung wegen des nun zu niedrigen Waserstandes des Verbindungskanals zum Dnjepr abgebrochen
24.04.1943  Befehl zur Überführung von 16 Schiffen zur Donau.
27.04.1943 Abfahrt über Weichsel, Warthe, Neisse Berlin, Mittelland-Kanal, Rhein, Main und den König Ludwig-Kanal ( 101 Schleusen ! ) zur Donau.
.07.1943 In Regensburg wird MIMI von der DDSG übernommen. Bereederung erfolgt später durch die Dnjepr Küstenschiffahrt GmbH., Wien
15.09.1943 An der Donaumündung in Sulina angekommen und im Geleitzug nach Nikolaijew überführt.
01.11.1943  Beim Rückzug in Odessa zum Einsatz für die Kriegsmarine im Schwarzen Meer durch die Seetransportstelle Braila erfasst. Bereederung durch die Dnjepr Küstenschiffahrt GmbH., Wien
         .1943 Durch die Schiffahrts GmbH. Nikolaijew bzw. schon Hamburg übernommen.
10.12.1943  Für die bereits geplante Überführung in der Ägäis erhält MIMI das Unterscheidungssignal DYZL vom OKM zugeteilt.
20.01.1944 Gemeinsam mit den Fehnschiffen GRETEL, MINNA und SIRIUS von Burgas zum Mittelmeer ausgelaufen.
   In Istanbul eingelaufen.
Reise in die Ägäis fort gesetzt.
    .02.1944 Auf der Insel Leros eingetroffen und in Porto Lago stationiert.
Auf einer Versorgungsfahrt im Geleitzug mit zwei anderen Fehnschiffen von Leros nach Rhodos kurz vor Mitternacht außerhalb der türkischen Hoheitsgewässer durch ein englisches Schnellboot geentert und besetzt. Von der fünfköpfigen Besatzung werden drei Mann schwer verletzt.
Die Kaperung wird durch eine entfernt mitfahrende getarnte U – Boot – Falle ( Dreimastschoner mit der Bezeichnung UJ 2144 ) beobachtet und das Schnellboot zusammen geschossen.
[ Nach britischen Angaben wird an diesen Tag ML 1226 durch Artillerie auf Position
36.50 N 27.00 E schwer beschädigt, die noch lebenden deutschen Augenzeugen meinen die sichere Vernichtung des Bootes gesehen zu haben. ] Die dreiköpfige britische Prisenbesatzung wird wohl gefangen genommen.
01.04.1944 MIMI wird von der Mittelmeer Reederei GmbH. , Hamburg [MMR] übernommen
15.09.1944 Die Ägäis wird zur Kampfzone erklärt und der Einsatz ziviler Reedereien verboten.
19.09.1944 Nach der Auflösung der MMR in der Ägäis von der Kriegsmarine, Seetransportchef Ägäis übernommen.
22.09.1944 Im Hafen Vathi / Insel Samos/ bei einen Luftangriff durch Raketentreffer stark beschädigt auf Strand gesetzt und zum Totalverlust erklärt.


Gruß

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

kgvm

Danke, Theo, für den Lebenslauf.
Meinem Verständnis nach ist der Weg über den König-Ludwig-Kanal aber gerade nicht der Landweg Elbe-Donau, die "Mimi" also auch keines der 428 Schiffe.
Anders ausgedrückt: die Anzahl der Schiffe, die vom Nordraum in den Donaubereich überführt wurden, war noch größer!

TD

Moin Klaus Günther,

hast natürlich Recht.

Hier kollidiert der genaue Titel mit der alten Bezeichnung

Überführung von Schiffen zur Donau und ins Schwarze Meer.

Ist ja genau genommen bei den 210 BRT - Kümos auch so welche in Holland und Norddeutschland selektiert wurden und per Bahn zum Zusammenbau zu den Donauwerften gingen.

Oder mit den Motorbooten für die Ägäis welche bis zu einen Donauhafen gingen und dann
den Rest des Weges zur Ägäis per Wasserweg überführt wurden.

Motorboot KÖNNERN

1938: Erbaut durch die Werft Karl Siebert in Berlin- Spandau.

17 t, 13,12 mL 3,03 mB, 0,70 mT 1,35 m SH  50  PS

Bereisungsboot des Wasserstrassenamtes Magdeburg, Strommeisterei Könnern

1940,Aug.: Erfaßt für die ,,Aktion Seelöwe".
28.Aug:: Von Emden nach Boulogne ausgelaufen.
Sept.: In Boulogne als B 89 Mo * stationiert.
21.Nov.: Von  Boulogne nach Fecamp verlegt.
1941,28.Jan.: Fest in Fecamp stationiert.
29.Sept.: Nach Dieppe überführt und dort dem Übungsverband Dieppe zugeteilt.
1942,25.Aug.:  Von der 6. Flottillen-Stamm-Abteilung an die Ausbildungsabteilung Amsterdam übergeben.
1943,24.März: An die Gruppe Süd, Seekommandant Saloniki übergeben und per Bahn in Marsch gesetzt.
29.April: Erstmals als Abwehrboot KÖNNERN in Ägäis gemeldet.
Verbleib unbekannt.



Bei der Anzahl der überführten Boote, die Transportflotte Speer hatte ganze Geleitzüge von Personendampfer aus Berlin, Baggerschuten und Binnenseemotorboote, wurden auch schon 600 bis 700 Schiffe gemeldet.

So wurden im SSR Wien, ein Seeschiffsregister welches damals keiner wahrhaben wollte, auch 43 Schiffe eingetragen die teils bis in Schwarze Meer kamen usw. usw..

Eine unendliche Geschichte.

Gruß

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

halina

#3
Moin , während des WK II wurden neben den Landtransporten der R-und S-Boote auch Überführungen von und nach der Donau
über den alten König-Ludwig -Kanal durchgeführt . Der Kanal hat eine Länge von 173 Km und wurde im Juli 1846 nach einer nur
10 jährigen Bauzeit mit 7 Kanalhäfen und 100 Schleusen eingeweiht und seitdem schiffbar von Kelheim bis Bamberg , der Kanal
wurde 1950 stillgelegt und alle noch erhaltenen Einrichtungen unter Denkmalschutz gestellt .

Nach Schleusenbuch-Eintragung Nr. 66 , nahe Nürnberg wurden von 1939 - 1944 folgende Schleusungen von Booten der DKM
vorgenommen, leider ohne Typenbezeichnung ob R-oder S-Boote . Die Kammern hatten eine Länge von ca. 34 meter und am Haupt
betrug die Einfahrtbreite ca. 4,50 m , die Kammertiefe max. 1,50 m , die Hubhöhe zwischen 2,5 und 3,5 meter .
Neben den von mir genannten Gruppenschleusungen gab es auch noch einige Einzelfahrer die in beide Richtungen fuhren .

Am 1.11.1939 ,   Schleusung von 6 Motorbooten der Kriegsmarine mit Pontons Richtung Bamberg aus Wien kommend

Am 8.8. 1940  ,   12 Motorboote der KM in Richtung Bamberg durchgeschleust

Am 8.4.1941   ,   12 Motorboote der KM in Richtung Kelheim zur Donau geschleust

Am 28.4.1942  ,  5 Motorboote der KM , Schleusung Richtung Kelheim

Am 26.4. 1942 ,   4  Motorboote der KM Richtung Kelheim geschleust

Vom 22.7.-30.7. 1943 ,  6 Motorboote und 8 Schuten der KM in Richtung Kelheim durchgeschleust

Am 23.9. 1943  , 4 Motorboote der KM in Richtung Kelheim zur Donau

Am 21.4.1944  ,  Durchschleusen von 6 Motorbooten Richtung Kelheim  (  lt. WIKI sollen es S-Boote gewesen sein )

Im Anhang noch einige Fotos                                                                                                                     Gruss  Halina

Bild # 1  Der Verlauf des Kanals von 1845     (  gemeinfrei )

Bild # 2  Von der Schleuse  1  bei Kelheim führt ein kleiner Stichkanal in die Donau , Foto vom 8.6.2007 ,
                                                             Urheber : Michael Fries , Lizenz : CC-BY-Share Alike 2.0 Germany

Bild # 3  Die Schleuse Nr. 1 im Kelheimer Hafen , hier beginnt der König-Ludwig-Kanal ,Foto vom 8.6. ebenfalls von Michael Fries

Bild  # 4  Schleuse Nr. 100 vor Bamberg , hier mündet der Kanal in die Regnitz und danach in den Main
                                                                 Foto von 2005 , Author: Immanuel Giel ,    ( gemeinfrei )



" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

halina

#4
Moin , in Antwort #14 von Redfort steht im letzten Absatz ... dann aber die Donau flussaufwärts zum Rhein ..... das bedeutet dass  die Boote bei Kelheim in den  König-Ludwig-Kanal eingefahren sind und bei Bamberg in den Main und weiter zum Rhein .          :MG:


Edit : Sollte mein Beitrag zu Verärgerungen geführt haben , so möchte ich bitten diesen zu verschieben und mit einem neuen
         Thread aufzumachen unter dem Titel : "  Bootstransporte der DKM im WK II durch den König-Ludwig-Kanal"
         Auch TD hat hierzu einen sehr inhaltsreichen und interessanten Beitrag eingestellt .
" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

TD

Hallo zusammen,

bin ja im Moment bei  der Schiffswerft Linz an einer Auflistung aller Neubauten in der Zeit 1939 bis 1945.
Begonnen hat diese Arbeit als Neubauliste, jetzt muss die Liste jedoch geteilt werden da viele der angebliche MFP - Neubauten bereits in Holland usw. gebaut wurden und dann zu Linzer Werft ( bei einer Anzahl Donauwerfen der gleiche Vorgang !) zum Zusammenbau gingen.
Leider ist in den Werftlisten bei etlichen Schiffen nicht klar erkennbar ob es sich wirklich um Zusammenbauten, Einbau der Motoren, große Instandsetzung nach Überführung  o. a. handelt.
Auch der Begriff WL, vermutlich Werftliegezeit, wird bei den überführten Schiffen und Booten benutzt.
Leider verschweigen diese Werftlisten die Art der Überführung bzw. kann RB  Reichsbahn auf Schiene, aber auch Reichsbahn auf Transportwagen bedeuten.
Gruß

Theo

...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

redfort

Hi Theo,
danke für die Werftliste. top

Jetzt frage ich mich was den die FR-Boote sind, könnten damit die Fl.R-Boote (Motorrettungsboote ) der Luftwaffe gemeint sein ?
Oder sind damit etwa Flussräumboote gemeint ?
Gruß, Axel

Luftwaffe zur See

Urs Heßling

moin,

Zitat von: halina am 04 Januar 2014, 18:57:40
Moin , während des WK II wurden .. auch Überführungen von und nach der Donau
über den alten König-Ludwig -Kanal durchgeführt .
Die Kammern .. am Haupt betrug die Einfahrtbreite ca. 4,50 m ,
..
Am 21.4.1944  ,  Durchschleusen von 6 Motorbooten Richtung Kelheim  (  lt. WIKI sollen es S-Boote gewesen sein )
Bei den o.a. Daten sehe ich da für die bisher genannten Schnellbootstypen keine Chance:
Deutsche Boote: B 5,1 m,
Typ TM-51 (NL): B 6,05 m,
MAS (IT) : B 4,7 m.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

halina

Moin Urs , wahrscheinlich könnten hiermit gemeint sein die kleinen Schnellboote  KS oder die Küstenminenleger  KM , diese hatten
eine Länge von ca. 16 meter ,waren 3,5 m breit und einen Tiefgang von 1,10 meter .
                                                                                                                                                                                Gruss  Günter
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                      Phil Borman

Urs Heßling

#9
moin, Günter,

Tja, technisch möglich ... und welche 6 Boote sollten das im April 1944 gewesen sein ?

Die zu KS-Booten umgebauten Boote KS 11, 17, 18, 20, 21, 23, 24, 31 und 32 gingen ja (zu einem mir nicht bekannten Zeitpunkt) zur Adria und nicht ins Schwarze Meer.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

halina

Ich möchte davon ausgehen , dass wohl alle hier durchgeschleusten Boote der KM für den Einsatz auf der Donau bestimmt waren
und mehrheitlich zur Donauflotille gehörten . Im Gröner Teil 2 wird die Überführung von kleinen Räumbooten erwähnt.         :MG:
" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

halina

Bei den genannten 12 Motorbooten die am 8.8. 1940 in Richtung Bamberg zum Main durchgeschleust wurden , dürfte es sich um
eine Donauflotille handeln die Ende 1938 in Linz stationiert war und wegen nicht erforderlichen Einsätzen im 1. Kriegsjahr nach
Holland zum Schutz des Rhein-Maas-Deltas verlegt wurde . Am 8.4. 1941 wieder in Richtung Kelheim alle 12 Boote durchgeschleust
mit Stationierung in Linz . Unklar ist noch , um welchen Bootstyp es sich hierbei gehandelt hat .
                                                                                                                                                                           :MG:       Halina
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zu lassen"
                      Phil Borman


kalli

@Renato,

das ist eine wunderschöne und inhaltsreiche Seite- vielen Dank dafür :-)

halina

Moin Renato , danke für den Link , somit handelt es sich um die Fluss-Räumboote mit den Bezeichnungen FR 1 - FR 12 , die von
1938/39 auf der Lürssen-Werft gebaut wurden . Die Länge wurde mit 15 m angegeben , später jedoch auf ca.17 m verlängert ,
Die Breite ca. 3,30 m und die Verdrängung ca. 21 t . Das Kriegsende überlebten die Boote 1 , 3 ,4 , 7 , 9 +10 , die später einer
zivilen Verwendung zugeführt wurden , weitere Details sind im Gröner 2 auf Seite 207 zu entnehmen .
                                                                                                                                                                              :MG:     Halina
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                      Phil Borman

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