collapse

* Benutzer Info

 
 
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren. Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

* Suchfunktion


* HMA

Autor Thema: Notausblasesystem bei U-Booten  (Gelesen 5735 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Albatros

  • Gast
Notausblasesystem bei U-Booten
« am: 29 Dezember 2010, 10:03:48 »
Für Notsituationen wie z.B. Wassereinbruch oder klemmen der Tiefenruder hatte die deutsche Marine als erste westliche ihre U-Boote ab 1981 mit einem derartigen System zum ausblasen
der Tauchzellen ausgestattet.
Es war/ist in der Lage ein Boot der Klasse 205/206 innerhalb von 26 Sekunden aus 84 m Tiefe an die Oberfläche zu bringen. Ich denke dies wird auf den neueren Klassen nicht viel anders sein.
Mir stellt sich allerdings eine Frage die eventuell einer der U-Boot Spezialisten hier beantworten kann.
Bis zu welchen Grad der Beschädigung ist das System in der Lage ein Boot nach oben zu bringen ?
Also beim klemmen der Tiefenruder wohl immer aber wie ist es bei einem Wassereinbruch.
Nehmen wir mal als Extrembeispiel das Unglück mit der K-141 Kursk, hier werden die Wassereinbrüche wohl zu groß gewesen sein um das Boot so es denn so ein System gehabt hätte
damit zu retten, oder ?

 :MG:

Manfred
« Letzte Änderung: 29 Dezember 2010, 10:11:08 von Albatros »

Offline Elo

  • Stabsbootsmann
  • *
  • Beiträge: 138
Re: Notausblasesystem bei U-Booten
« Antwort #1 am: 29 Dezember 2010, 19:06:57 »
206 war so gebaut, dass wenn auch das ganze Boot voll Wasser wäre und die Tauchzellen noch heile, hätte der Auftrieb der Tauchzellen gereicht um aufzutauchen. Der NAE (Notanblaseeinrichtung) hätte es sogar nicht gestört wenn die Tauchzellen risse hätten, das Boot wäre trotzdem noch hoch gekommen.
R.I.P. Ubootklasse U206a

,,Dat hölpt för de Müüs!" see de Buer, da steek he sien Schüün an.

Albatros

  • Gast
Re: Notausblasesystem bei U-Booten
« Antwort #2 am: 29 Dezember 2010, 19:22:21 »
Hallo Elo,

das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass selbst wenn alle Abteilungen voll gelaufen sind das Boot noch hoch kommt......

Dann kann man also sagen solange genügend Tauchzellen nicht zu sehr beschädigt sind kann ein Boot mit so einem System unabhängig von seiner Größe wieder
an die Oberfläche kommen und die Besatzung kann sich retten?

 :MG:

Manfred
« Letzte Änderung: 29 Dezember 2010, 19:30:29 von Albatros »

Offline olpe

  • Kapitän zur See
  • *
  • Beiträge: 1863
Re: Notausblasesystem bei U-Booten
« Antwort #3 am: 29 Dezember 2010, 22:17:43 »
Nehmen wir mal als Extrembeispiel das Unglück mit der K-141 Kursk, hier werden die Wassereinbrü-che wohl zu groß gewesen sein um das Boot so es denn so ein System gehabt hätte damit zu retten, oder ?
Hallo,
nun, vorrangig kamen Notausblasesysteme (z.B. Gasgeneratoren auf Hydrazinbasis) bei U-Bootstypen ohne druckdichte Schottwände, also ohne Unterteilung des Druckkörpers in abgeschottete Abteilungen, zur Anwendung. Des weiteren spielte die Philosophie der Rettungsvarianten im Havariefall eine Rolle: eher individuelle oder eher kollektive Rettungssysteme ... In der Bundesrepublik wurde für Typ 206 eine Notausblaseeinrichtung auf auf Hydrazinbasis in den 70er Jahren d.v.Jh. entwickelt (siehe auch: Gabler: „Unterseebootbau“, S. 115, Text und Bild 121 /a). Heute wird m.E. Hydrazin nicht mehr verwendet, die grundlegende Technik aber schon ...

Bei größeren Booten mit Unterteilung des Druckkörpers in wasserdichte Abteilungen bewirken diese einen gewissen Schutz bei (partiellem) Wassereinbruch. Unabhängig davon, sind Notanblasesysteme aber nunmehr auch hier vorhanden.
Bei kleineren Booten ist ein kurzfristiges, aber nur kurzzeitiges Schnellauftauchen nach Wassereinbruch im Druckkörper mit zügigem Verlassen des Bootes hierdurch möglich.

Zu K-141 "KURSK". Nach meinen Recherchen existierte Bord sowohl ein 30 bar Hochdruck-Pressluftsystem, als auch ein 200 (bzw. 400) bar-System. Obwohl nicht explizit namentlich benannt ("Pulvergeneratorsystem in der Bilge"), ist aber davon auszugehen, dass ein Notanblasesystem vorhanden war. Aufgrund der Gewalt der (zweiten) Detonation an Bord, des Wassereinbruchs dann auch durch die zerstörten Schottwände und Schottdurchgänge sowie der Schnelligkeit der Ereignisse konnten hiernach keinerlei Maßnahmen zum Auftauchen eingeleitet werden. Die Besetzung des kollektiven Rettungssystems ist nicht mehr erfolgt, da die Mannschaften der Abteilungen I bis V (die Russen zählen vom Bug), de facto sofort getötet wurden. Durch die immense Buglastigkeit ging die „KURSK“ umgehend mit dem Bug auf Grund…
(siehe auch: "KURSK" - Das Drama in der Barentssee (pdf)
Grüsse
OLPE

Offline Elo

  • Stabsbootsmann
  • *
  • Beiträge: 138
Re: Notausblasesystem bei U-Booten
« Antwort #4 am: 29 Dezember 2010, 22:43:35 »
Zitat
wenn alle Abteilungen voll gelaufen sind

Nein, nicht alle Abteilungen sondern die Abteilung. 206a bestand nur aus einem Raum.

Zitat
unabhängig von seiner Größe

Ob das alle Ubootklassen betrifft weiß ich nicht. Ich weiß ja nicht wie die Russen oder die Amis ihre Boote bauen, aber auf 206 trifft es auf jeden fall zu.

Bei 206 ist das auch so gewesen, wenn das Boot hoch muss aber aus irgend einen Grund die Tauchzellen nicht mehr zur verfügung stehen, dann konnte man noch auftauchen indem man Vollgas gibt und beide Tiefenruder oben hart legt. Dadurch kam das Boot auch raus.

Definition NAE auf 206a:

Die Anlage dient im Notfall zur schnellen Restauftriebserzeugung durch schlagartiges Ausblasen Der Tauchzellen 1-3 mittels Treibgas (60% Wasserstoff, 30% Stickstoff, 10% Ammoniak und H²O) aus den Gaserzeugern. Dazu befinden sich in den Tauchzellen Gaserzeuger, die durch elektrische Bedieneinrichtung aktiviert weden können.

R.I.P. Ubootklasse U206a

,,Dat hölpt för de Müüs!" see de Buer, da steek he sien Schüün an.

Albatros

  • Gast
Re: Notausblasesystem bei U-Booten
« Antwort #5 am: 30 Dezember 2010, 12:21:17 »
Nein, nicht alle Abteilungen sondern die Abteilung. 206a bestand nur aus einem Raum.

Hallo Elo,

gab es da nicht ein Schott zum Maschinenraum ?,.......... :roll:  es war/ist dann wohl aber nur ein Schallschott und kein Druckfestes....... :MZ:

 :MG:

Manfred

Offline Elo

  • Stabsbootsmann
  • *
  • Beiträge: 138
Re: Notausblasesystem bei U-Booten
« Antwort #6 am: 30 Dezember 2010, 15:08:34 »
@Albatros :
Richtig, gut kombiniert! top
Es ist nur ein Lärmschott, ob es auch wesserdicht ist hat glaube ich noch keiner ausprobiert. Offiziell ist es nicht gas- und wasserdicht.
R.I.P. Ubootklasse U206a

,,Dat hölpt för de Müüs!" see de Buer, da steek he sien Schüün an.

Albatros

  • Gast
Re: Notausblasesystem bei U-Booten
« Antwort #7 am: 30 Dezember 2010, 18:15:57 »
Hallo Elo,

was gab/gibt es eigentlich sonst noch an Rettungsmittel auf so einem Boot der Klasse 206a die ja nun alle ausgemustert werden.
Also so etwas wie Tauchretter, Schwimmwesten, Schlauchboote, Rettungsinseln oder was auch immer ?

 :MG:

Manfred

Offline Elo

  • Stabsbootsmann
  • *
  • Beiträge: 138
Re: Notausblasesystem bei U-Booten
« Antwort #8 am: 30 Dezember 2010, 19:46:27 »
Tauchretter = SPES MK3 ein Ganzkörperanzug mit einer kleinen Sauerstoffflasche, wird beim Ausstieg geöffnet und der Anzug füllt sich mit Luft und man steigt auf. http://www.kczum.ch/secret/images/SPES.jpg
Schwimmwesten = hauptsächlich für Oberdeckspersonal beim An- und Ablegen.
Schlauchboote = existiert nicht auf 206
Rettungsinsel = hinter dem Turm ist ein Buckel, da drinne ist der Rettungsgerätebehälter mit der Rettunginsel und nicht wie viele Besucher immer wieder behaupten eine Atomrakete.
R.I.P. Ubootklasse U206a

,,Dat hölpt för de Müüs!" see de Buer, da steek he sien Schüün an.

Albatros

  • Gast
Re: Notausblasesystem bei U-Booten
« Antwort #9 am: 30 Dezember 2010, 20:03:30 »
Hallo Elo,  top


 :MG:

Manfred

Offline olpe

  • Kapitän zur See
  • *
  • Beiträge: 1863
Re: Notausblasesystem bei U-Booten
« Antwort #10 am: 08 Februar 2014, 15:58:16 »
Hallo,
zu einem älteren Thema eine kurze Ergänzung in Form von zwei links, die technische Lösungen für das Notanblasesystem nochmals verdeutlichen:
Grüsse
OLPE